Leserbrief der

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vom 18.11.2004 

Von lautem Knirschen aufwachen

Zum Kommentar "Nix da neue Formen" von Jens Feuerriegel EJZ vom 13. November)

Jens Feuerriegel schreibt in seinem Kommentar, die CastorGegner hätten verzweifelt und vergeblich versucht, das zu stoppen, was ' sich allenfalls verzögern lässt. Ich selbst komme seit 2003 zum "Tag X" ins Wendland, um mich an den Blockadeaktionen von "x-tausendmal quer" zu beteiligen. Aber noch nie hatte ich die Illusion, und ich glaube auch keiner meiner Mitstreiter hatte sie, mit unserem Sitzen auf Schienen oder Straßen den Transport oder gar die Atompolitik direkt und nachhaltig stoppen zu können.

Es geht bei diesen Protesten um etwas anderes: Durch jede Verzögerung des Transportes öffnen wir ein Fenster für die öffentliche Aufmerksamkeit. Wir lenken den Blick der Öffentlichkeit auf das weiter völlig ungelöste Problem der Atommüll-Entsorgung. Nach dem so genannten Atomkonsens waren viele Menschen der Ansicht, die Sorgen mit den radioaktiven Hinterlassenschaften des Atomzeitalters wären damit auch vom Tisch. Erst nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch, dass zwar munter weiter Atommüll produziert wird, es aber weiter keinen sicheren Lagerplatz gibt.

Laut AK End soll sich die Atommüllmenge noch verdreifachen, würden die Reaktoren wirklich noch so lange betrieben, wie von Rot-Grün geplant. Diesen - bisher noch gar nicht produzierten strahlenden Abfäll wollen wir in erster Linie mit unseren Aktionen blockieren. Weil wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass in die Atompolitik dieses Landes noch einmal Bewegung in Richtung eines wirklichen Ausstiegs kommt, jenseits von rot-grünem Status quo und schwarzgelben RenaissancePlänen.

Günther Eich schrieb: "Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!" Dieses Sand im Getriebe sein, in der Hoffnung, durch das laute Knirschen mögen viele Menschen aufwachen, nicht mehr aber auch nicht weniger ist der Sinn unserer Blockadeaktionen.

Verzweifelt war ich dabei übrigens noch nie. Eher ermutigt davon, wie herzlich und großzügig die Menschen aus dem Wendland uns Auswärtige unterstützen, wie lange sie diesen Widerstand selbst schon durchhalten und wie immer wieder neue Leute den Faden aufgreifen. Normal ist in dieser Republik, dass die Mächtigen ihre Pläne durchsetzen, ohne die kleinen Leute zu fragen und ohne dass es jemandem auffällt. Bei Castor-Transporten fällt ihnen das denkbar schwer. Deshalb fahre ich jeden November mit neuer Hoffnung nach Hause - auch wenn in diesem Jahr viel Trauer beigemischt war.

Ronny Hoffmann, Grießbach

Bearbeitet am: 18.11.2004/ad


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