Leserbrief der
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vom 17.06.1998
Handeln gegen Menschenverachtung
Betrifft: Die Rolle der Kirche beim Atomprotest
| Hagen Jung berichtet in
der EJZ vom 4. Juni über die Verabschiedung des Direktors des Amtsgerichtes Dannenberg in
den Ruhestand. Dabei hat der Superintendent dieses Kirchenkreises in seinem Grußwort mit
Blick auf "Gorleben" die Beachtung der Menschenwürde eingefordert. Die Kirche
werde weiterhin, "den Finger in die Wunde legen". Diese Botschaft hör' ich
wohl, wo aber sind die Taten? Die Bundesverantwortliche für Strahlenschutz und
Reaktorsicherheit benimmt sich nicht nur unmöglich, dummdreist, kompetenzlos, sondern
auch menschenverachtend und würdelos! 10 000fache Grenzwertüberschreitung bei
CastorFahrzeugen, fliegender Atommüll in England durch eine undichte
Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield (Analyse Dr. Kirchner, Uni Bremen: 280 000
Becquerel pro kg Körpergewicht von Tauben, allein davon 25 000 Bq Plutonium). Aber die Glossolalie (Duden: verzücktes Reden in fremden Lauten) der Grenzwertmoderatorin schwafelt: Alles, was unter dem Grenzwert liegt, ist unbedenklich, was drüber ist, ungefährlich. So ist's kein Wunder, wenn's im Atomfilz der Bundesrepublik drunter und drüber geht. Und die Kirche? Wo ist der Finger ihrer offiziellen Vertreter? Sie "jeinern" nach wie vor, lassen uns an der Basis sich für Überzeugung ein- und hinsetzen. Wir Kritiker an diesen Skandalen gehören keiner Mehrheitsfraktion an. Auch" die Kirche" mißtraut der Bewegung von unten, benutzt lieber Hintertüren und verzichtet aufs Bekennen. Ihre oberen Vertreter sind da zu Hause, wo die Macht sitzt, und dienen denen, die nicht die Courage haben, wenigstens eimnal gegen ihre Biographie anzuleben. Wann also werden sie sich denen verweigern, die Verseuchung zu Verunreinigung verharmlosend herabstilisieren? Für die Vergiftung zu schwitzen und weinen mutiert? Offzielle Amtskirche, wo ist Deine Stimme, Dein Handeln vor allem gegen solch unwürdige Menschenverachtung? Derab und an erhobene Zeigefinger reicht da nicht. Auch nicht, wenn er blutig oder eitrig wird von der Wunde, in die er zu liegen kommt. Wenn schon nicht Mut, wenigstens aber Zivilcourage ist angesagt. Wer also macht sich ab Gehaltsstufe A 16 die Hände schmutzig und gehört damit zum unappetitlichen Pack - und labert nicht nur? Egon Maierhofer, Hitzacker |
Bearbeitet am: 17.06.1998/ad