X-tausendmal-quer

Gewaltfreie Blockade des Castor-Transports nach Gorleben

5. Rundbrief

17. August 1997

Inhalt


Kontakt: X-tausendmal quer, Dorfstr. 30, 29462 Blütlingen Aktionskonto: Marie Dinkgrefe, Nr. 121017 6100, Volksbank Wendland, BLZ 258 634 89


Liebe Freundinnnen und Freunde,

Nach einigen Monaten melden wir uns wieder bei euch, mit neuesten Nachrichten rund um "X-tausendmal quer" und neuen Aktionsansätzen gegen den atomaren Wahn.

Gerade ist das Sommercamp "Gewalffrei ökologisch - ungehorsam" zu Ende gegangen, zu dem "X-tausendmal quer" gemeinsam mit der "Kurve WustroW', der "Verdener Umweltwerkstatt" und der "Villa Mir" eingeladen hatte. Das Camp wurde mit dem Abschlußcamp der "gRadwanderung" zusammengelegt, einer Fahrradaktionstour für eine neue Energiepolitik von Bonn nach Gorleben. Insgesamt waren auf dem Doppel-Camp etwa 300 Leute, Wetter und Stimmung waren ausgezeichnet und manche munkeln schon von Plänen, im nächsten Sommer wieder...

Mit diesem Rundbrief wollen wir einerseits noch einmal zurückschauen auf die Folgen der Ereignisse rund um den letzten CastorTransport, andererseits aber vorwärts denken und die vielfältigen geplanten Widerstandsaktionen und -kampagnen vorstellen.

Atommüllpolitik nach dem Gorlebener Castor-Sixpack

Im Augenblick deutet manches darauf hin, als ob es vor den Landtags- und Bundestagswahlen 1998 wirklich keinen weiteren CastorTransport nach Gorleben geben wird. Der Widerstand hat also gewirkt. Allerdings ist dies auch für das Wendland kein Anlaß zur Ruhe, sind doch weiterhin bis zum Jahr 2005 noch 130 Transporte mit hochradioaktiven Glaskokillen aus der WM La Hague nach Gorleben geplant. Darüber hinaus droht für 1998 die Inbetriebnahme der Pilotkonditionierungsanlage (PKA) und im Endlagerbergwerk wird auch fleißig weitergebuddelt.

Damit die kraftwerkseigenen Lagerbecken für hochradioaktive abgebrannte Brennelemente nicht überquillen und keine durch das Atommüll-Problem bedingte Abschaltung der AKWs droht, will die Stromwirtschaft weiterhin Castor-Transporte zu den Wiederaufarbeitungsanlagen in La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) durchführen. Darüber hinaus ist ein erster Transport mit Brennstäben aus dem AKW Neckarwestheim (bei Stuttgart) in das wesffälische Zwischenlager Ahaus geplant. Die Betreiber haben ihn noch für den Herbst diesen Jahres angekündigt, es kann aber genausogut Frühjahr 1998 werden, schließlich fehlt noch eine Genehmigung. Ahaus stand immer im Schatten der Gorleben-Proteste. Dies scheint sich nun glücklicherweise zu ändern. Viele Menschen bereiten sich darauf vor, den Widerstand in Ahaus nicht geringer und nicht weniger vielfältig ausfallen zu lassen. Neben vielen anderen Aktionen plant die Bl "Kein Atommüll in Ahaus" in Kooperation mit Leuten aus verschiedenen Gewaltfreien Aktionsgruppen eine Aktion "X-tausendmal quer" auf dem Zubringergleis zur Castor-Halle in Ahaus.

Kontakt: Bl "Kein Atommüll in Ahaus, Bahnhofstr. 51,48683 Ahaus, Tel.: 02561/961791, Fax: 02561/961792 X WIGA, c/o Umweltzentrum, Scharnhorststr. 57,48151 Münster

Zusätzlich - werden rund um das AKW Nekkarwestheim (bei Stuttgart) Aktionen geplant, die weit über das hinausgehen, was beim letzten Abtransport Richtung Gorleben im März '97 lief.

Kontakt: Aktionsbündnis Castor-Widerstand Neckarwestheim, c/o DemoZ, Wilhelmstr. 45/1, 71638 Ludwigsburg, Tel.: 07141/920485, Fax: 07141/903363

Gleichzeitig haben vor allem in Norddeutschland zahlreiche Anti-Atom-lnitiativen an einer großen Kampagne gegen die Transporte zu den ausländischen Wiederaufarbeitungsanlagen gestartet. Die WAA-Transporte wurden immer wieder von kleineren Gruppen behindert, jetzt sind große Aktionen geplant, die erstmals die Durchführbarkeit dieses Pseudo-Entsorgungsweges wirklich in Frage stellen wollen. Erster Schwerpunkt wird das AKW Krummel bei Hamburg, Auch hier gibt es unter dem Motto "Mal richtig abschalten" eine Kampagne Zivilen Ungehorsams ais Teil des vielfältigen Widerstandes, getragen von vielen Leuten, die auch bei "X-tausendmal quer" in Dannenberg dabei waren.

Kontakt: X "Mal richtig abschalten", Bloherfelder Str. 87, 26129 Oldenburg, Tel.: 0441/592762

Anti-Castor-Büro, c/o ART, Haus für Alle, Amandastr. 58,20357 Hamburg

Im Wendland selbst konzentriert sich der Widerstand auf die drohende Inbetriebnahme der Pilotkonditionierungsanlage (PKA), eine Atommüllfabrik mit 60 m hohem Kamin und einem Abwasserkanal in die Elbe.

Kontakt: Bl Lüchow-Dannenberg, Drawehner Str. 3, 29439 Lüchow, Tel.: 05841/4684

Wenn es in den nächsten Monaten wirklich gelingt, die Kraft und den Schwung des wendländischen Widerstandes sowohl auf Ahaus, auf Neckarwestheim, auf Krümmel und auf die WM-Transporte zu übertragen, dann bekommen die AKW-Betreiber ernstliche Schwierigkeiten mit ihrer Atommüllpolitik. Dann funktioniert die Verschleierungstaktik nirgends mehr. Die Anti-Atom-Bewegung hat nach der dreimaligen Steigerung des Widerstandes bei den Castor-Transporten nach Gorleben eine wirkliche Chance, der Atomindustrie auch überregional kräftig in die Suppe zu spucken.

Gerade durch die Kampagne "X-tausend-mal quer" sind viele Menschen zum ersten mal mit dem Anti-Atom-Widerstand in Berührung gekommen und haben Gefallen daran gefunden. Etwa 5.000 Menschen bekommen diesen Rundbrief und die beiliegenden Aufrufe zugeschickt. Wenn nur die Hälfte davon beschließt, auch in Sachen Ahaus, Neckarwestheim, WM-Transporten oder in anderen Anti-Atom-Bereichen (Siemens-Boykott, Morsleben, AKWs etc.) aktiv zu werden und noch 5 weitere Menschen zu motivieren, auch aktiv zu werden, dann werden die Jahre 1997 und 1998 für Atomindustrie und -politik zu Wendejahren. Es liegt in unseren Händen...

Nochmal Rückschau auf "X-tausendmal quer"

So eine große Aktion wie ,,X-tausendmal quer" bringt eine Menge Nacharbeit mit sich. Auswertung, Dokumentation, juristische und politische Aufarbeitung, organisatorische Abwicklung, all dies ist noch längst nicht abgeschlossen, ja steht teilweise erst am Anfang. Dieser Rundbrief dient auch dazu, euch über den Stand der Nacharbeit zu unterrichten und auch weiterhin eure Beteiligung daran zu ermöglichen .

Die in Teilen der Anti-Atom-Bewegung immer noch sehr heftig geführte Diskussion über"Xtausendmal quer"' wollen und können wir in diesem Rundbrief nicht umfassend darstellen. Neben teilweise sehr unversöhnlichen, teilweise diffamierenden und teilweise einfach haltlosen Kommentaren gibt es viele ernstzunehmende konstruktive Kritik. So kann hoffentlich bei einem etwaigen "nächsten Mal", sei es in Ahaus, Gorleben oder wo auch sonst, einiges (noch) besser gemacht werden.

Glücklicherweise ist dem anfänglichen Gegeneinander- oder Aneinandervorbei-Diskutieren inzwischen zum Teil wieder ein miteinander reden und miteinander Widerstand organisieren geworden. So gab es auf der bundesweiten Anti-Atom-Frühjahrskonferenz in Münster eine Arbeitsgruppe zum Thema, in der die Diskussion zwar kontrovers aber vor allem mit gegenseitiger Akzeptanz geführt wurde.

Wer sich für die Details der Debatte interessiert, kann diese in Zeitschriften wie der "anti atom aktuell" (Helgenstockstr. 15, 35394 Gießen) oder der "Graswurzelrevolution" (Kaiserstr. 24, 26122 Oldenburg) nachlesen. Verschiedene Auswertungstexte (z.B. Bericht vom großen Auswertungstreffen von "Xtausendmal quer" in Lüchow), die aufgrund ihrer Länge in diesem Rundbrief keinen Platz fanden, können bei der Kontaktadresse von "X-tausendmal quer" bestellt werden.

Vereinzelt gab es auch Kritik am letzten Rundbrief. Einige Leute fühlten sich durch unsere positive Darsteilung der Erfolge von "Xtausendmal quer" vereinnahmt, weil sie diese Äußerungen auf den Streit um Aktionsformen in der Anti-Atom-Bewegung bezogen haben so nach dem Motto: "Unsere Sitzblockade war toll, alles andere war weniger wert."

Es tut uns leid, wenn wir uns nicht klar genug ausgedrückt haben. Gemeint war die Erfolgsdarstellung in Richtung auf unsere politischen Gegnerinnen, die, um es diesmal deutlich dazuzusagen, bei Atomindustrie und Atompolitik zu finden sind. Wir wollten Mut machen, weiter Widerstand zu leisten und dieser kann wieder in Form von gewalffreien Sitzblockaden aber auch in vielen anderen Formen stattfinden .

Auswertung des SprechenInnenrates

In der Auswertung kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. In der heißen Phase und den Tagen davor haben 26 Sprecherinnenräte getagt. Allein am Tag vor der Räumung waren die Sprecherinnen und Sprecher zehnmal zusammengetroffen. Die Treffen dauerten zwischeo einer halben und einer Stunde. Die ersten Räte begannen mit 20 Personen dann gab es Paralell-Räte mit jeweils 40 Personen und zum Schluß fanden sich bis zu 130 Sprecherinnen ein. Bei wechselnder Besetzung der Räte und einer angenommenen Bezugsgruppengröße von acht bis zwölf Personen schätzen wir, daß mindestens 2.000 Menschen über die Räte miteinander im Gespräch waren.

Und in der letzten Phase vor der Räumung gelang es sogar, den zahlenmäßig zu großen Rat in viele Abschnittsräte zu unterteilen. Vor allem die ersten 200 Meter waren dabei erfolgreich. Aus den Abschnittsräten wurden Sprecherinnen in den Gesamtrat entsandt, der allerdings nur zweimal zusammentrat.

So entstand ein dreistufiges, basisdemokratisches Entscheidungsmodell und dies, während die Polizei allerlei Ablenkungsmanöver mit Hubschrauber und anund abfahrenden Mannschaftswagen veranstaltete. Die meisten von uns waren in dieser Art der Entscheidungsfindung unerfahrer und so holperte der Prozeß manches Mal. Stellt sich als erstes die Frage, ot der Rat tatsächlich etwas entschieden hat. Die Teilnehmender an der Sitzblockade hatten eine gemeinsame Vereinbarung und über diesen Konsens mußte eigentlich nicht gestritten werden. Dennoch: es bedurfte der Klärung. Was bedeutet eigentlich die Vereinbarung konkret? Vor der Funktion, Entscheidungen zu fällen, stand also, sich Klarheit zu verschaffen und die Aktionsformzu konkretisieren. Dabei fielen für viele Gruppen wichtige Entscheidungen darüber, wo sie sich in der Blockade aufhalten wollen, ob und was skandiert werden soll und wie sie auf Provokationen und Gewalt der Polizei reagieren wollen.

Umstritten war die Frage, ob sich die gesamte Gruppe trennen wollte, um zwei Blockadepunkte am Verladekran und am Zwischenlager zu besetzen. Noch am Sonntag entschieden sich die Gruppen dagegen. Es sollte nur einen Blockadepunkt geben: am Verladekran.

Auf der Straße selbst wurde darüber ein weiteres Mal debattiert. Eine Trennung, wenn auch nur über 150 Meter, stand zur Diskussion. Einige Gruppen wollten dichter an den Kran, in eine Lücke stoßen, die die Polizei erkennen ließ. Andere wollten bleiben wo sie waren. Drei Gruppen legten schließlich ein Veto gegen die Trennung ein. Wie sollte jetzt auf das Veto reagiert werden? Eine Frage, die nur die Gruppen selbst klären konnten. Einige akzeptierten das Veto und blieben. Andere setzten sich bewußt uber das Veto hinweg und wechselten den Aktionsort.

Das Veto hat die Gesamtgruppe nicht blockiert und hat die Interessen der Minderheit nicht zum für alle gültigen Maßstab erhoben. Letztlich führte das Veto aber dazu, daß die Bedenken der Minderheit sorgfältig abgewogen wurden. Der Umgang mit dem Veto und die Frage, ob stets ein Konsens zu erreichen sei, blieb präsent. Der Handlungsfähigkeit der Gesamtgruppe stand so die reine Lehre von der Konsensentscheidung gegenüber. Es wurde offensichtlich, daß eine Gruppe die auf dem Grundkonsens der gewaltfreien Aktion, auch Situationen erlebt, in der nicht alle einer Meinung sind, es auch nicht werden müssen und aus dem Wissen der Unterschiede eine Stärke gewinnen. Allen Gruppen wird klarer, wie der Rest handeln wird. Und nur so konnte es gelingen, daß alle wirklich ruhig und entschlossen auf der Straße sitzen blieben. Es brauchte keine Hektik auszubrechen. Die Räte und ihre oft anstrengenden Diskussionen hatten den Grundkonsens verstärkt.

Was bleibt, sind Fragen, die helfen sollen, die Wirkung von Rat und Bezugsgruppe, die Stärken und Schwächen zu betrachten. Wir haben aus unserer Auswertung einige der Fragen formuliert und an diejenigen geschickt, die sich bisher gemeldet hatten. Wir möchten auch alle Leserinnen dieses Rundbriefes einladen diese Fragen zu beantworten. Ihr könnt denn Fragebogen bei uns anfordern. So kann es gelingen, aus dem holprigen Prozeß ein gutes Handwerkszeug für Basisdemokratie zu entwickeln. Wir haben eine Chronik der Räte erstellt und dabei wichtige Problempu nkte herausgeschrieben. Gegen Kopierkosten von 5 DM könnt Ihr sie bei "X-tausendmal quer' bestellen.

AK Halt Mittwoch, Hamburg

Juristische Aufarbeitung bisher noch mehr als mangelhaft

Die enorme Kraft und Ausstrahlung der Aktion bei niX3 sowohl innerhalb als auch außerhalb der Anti-AKW-Bewegung ist nach wie vor deutlich zu spüren. Was aber bisher zu kurz kam, ist die juristische Aufarbeitung. Bisher sind von uns lediglich Fach- und Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die Einsatzleitung der Polizei erstattet worden. Aber obwohl die Polizei genug "Material" geliefert hat und auch fast 200 Gedächtnisprotokolle von uns ausgewertet wurden: Wir haben kaum jemanden, der/die bereit ist zu klagen!

Da die Verletztenliste von den SanitäterInnen anonym geführt wurden, haben wir große Schwierigkeiten, Menschen ausfindig zu machen, deren Klagen gegen die Polizei Aussicht auf Erfolg hätten.

Wir haben gutes "gerichtsverwertbares" Videomaterial, wir haben ellenlange Verletztenlisten, wir haben Geld für Prozesse zurück gelegt, wir haben erfahrene Anwältinnen! Wir haben also alle Voraussetzungen, um mit einer gut vorbereiteten juristischen Offensive Polizei und Staat als diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, von denen die Gewalt ausging. (Und damit für's nächste Mal vielleicht vorzubeugen).

Ganz besonders, da auf Video eindeutig "gerichtsfest" belegt, suchen wir:

1. Eine etwa 20 bis 25 Jahre alte Frau mit kurzen, hellblonden Haaren. Sie trug einen braunen Anorak mit blauem Regen-Umhang. Auf Video kann man/frau deutlich erkennen, wie sie von einem Beamten mißhandelt wird. Sie befand sich auf der Stichstraße zum Verladekran in Höhe des letzten Hauses und wurde nach Tagesanbruch "geräumt". In ihrer Nachbarschaft saß ein Mann mit Zimmermannskleidung.

2. Menschen, die auf der B 191 (Straße nach Quickborn) von Berliner Polizisten brutal mißhandelt und verletzt wurden und die bereit sind zu klagen. Auch hierfür gibt es gute Beweise in Form von Videos. 3. Menschen, die durch Polizisten verletzt wurden oder die von Verletzungen wissen und die noch keine Gedächtnisprotokolle bei "Xtausendmal quer" abgegeben haben. Natürlich suchen wir auch noch Zeuginnen, aber vor allem suchen wir Menschen, die bereit sind zu klagen!

Wir wissen aus der Erfahrung des 2. CastorTransportes, in dessen Anschluß die Bl Lüchow-Dannenberg die Justiz mit einer großen Klagewelle überschwemmt hat, für wieviel Verunsicherung innerhalb des Apparates dies gesorgt hat. Es gibt schon noch Richter, die bereit sind, auch PolizeibeamtInnen zu verurteilen. Und es gibt sogar Beamtinnen, die gegen kriminelle Kolleginnen aussagen.

Also: Die Chancen stehen gut, bitte meldet Euch schnell bei: Herbert Waltke, Bahnhofstr. 9, 29479 Jameln, Tel.: 05864/458 Sollten wir nicht genügend Klagewillige zusammenbekommen, werden wir überlegen, ob wir als OrganisatorInnen stellvertretend für alle an der Aktion beteiligten klagen. Dieser Weg ist aber längst nicht so erfolgversprechend wie Einzelklagen.

Herbert Waltke

Fundsachen

Von "X-tausendmal quer" sind noch zahlreiche Fundsachen übriggeblieben.

Wer also noch Schlafsack, Rucksack oder anderes vermißt, kann sich beim

"X-tausendmal quer"Fundbüro, Dorfstr. 30, 29462 Blütlingen melden.

Fundsachen, die vier Wochen nach Erscheinen dieses Rundbriefes nicht zugeordnet werden können, werden bei nächster Gelegenheit versteigert.

Finanzbericht

Noch immer sind nicht alle Kosten der Kampagne abgerechnet und die Nacharbeit verschluckt weiter Geld, aber wir wollen allen Rundbrief-BezieherInnen, von denen viele ja auch gespendet haben, einen Überblick über die Finanzen nicht vorenthalten. Bis jetzt hat "X-tausendmal quer" etwa 300.000 DM an Spenden erhalten.

Davon waren · allgemeine Spenden 295.400 DM · Sonderspende "Arbeit": Aufwandsentschädigung 2.960 DM · Sonderspende Rampenplan 220 DM · Spende für kaputte Traktoren (weitergeleitet an die Bäuerliche Notgemeinschaft)
1 .420 DM .

Nochmals allen Spenderinnen und Spendern ein herzliches Dankeschön oder besser: X-tausendmal Dank!!! Nur durch diese großartige Unterstützung konnte "X-tausendmal quer" gelingen.

Bis jetzt hat "X-tausendmal quer" etwa 220.000 DM ausgegeben.

Davon waren

Der aktuell noch vorhandene Betrag von etwa 80.000 DM ist keineswegs "übrig", sondern für die Nacharbeit der Aktion notwendig und für weiterführende Projekte vorgesehen.

Die Koordinationsgruppe von "X-tausendmal quer" hat sich folgende Aufteilung des Geldes ausgedacht und stellt sie hier im Rundbrief den Spenderinnen und Spendern vor:

Wir entwickeln zur Zeit Vergabekriterien und Verfahrensregeln für die einzelnen "Töpfe", damit alles seinen geordneten Gang geht. Auch wenn es im Augenblick finanziell ganz gut aussieht, sind wir für Spenden bezüglich der genannten Aufgaben weiterhin dankbar. Ihr könnt ja auf dem Überweisungsträger angeben, welchen ,,Topf" ihr konkret unterstützen möchtet.

Aktionskonto: Marie Dinkgrefe, Nr. 121017 6100, Volksbank Wendland, BLZ 258 634 89

Dokumentationsmaterial

Nach und nach entstehen Dokumentationsmaterialien zu "X-tausendmal quer" und zum gesamten Anti-Castor-Widerstand beim Transport im März. Bereits lieferbar sind:

,,ausgestrahlt". Der Film über "X-tausendmal quer", gemacht von Carl A.

Fechner und seinem Team. Der 40 Minuten lange Video gibt die Stimmung während der Tage im März gut wieder und richtet sich vor allem auch an ein Publikum, das selbst nicht mit dabei war. Er kann für 39 DM (plus Versandkosten) bestellt werden bei focus-film, Schwarzwaldstr. 45, 78194 Immendingen, Tel.: 07462/6148, Fax: 7530.

Castor Six-Pack 97. Dieser Video von Bärbel Jakob ist 82 Minuten lang und dokumentiert vor allem Polizeiübergriffe in Nahaufnahme und Zeitlupe. Die Zusammenstellung aus Amateurvideos wird ergänzt durch Interviews mit Betroffenen. Der Film eignet sich weniger zur Ermutigung Unentschlossener, ist aber ein wichtiges Dokument gegen Polizeipropaganda. Er kann für 17 DM (plus Versandkosten) bei Dietrich Koch VideoVertrieb, Hauptstr. 11, 29456 Hitzacker, Tel.: 05862/5055, Fax: 5056 bestellt werden.

NiX3: Der Film. 90-minütiger Zusammenschnitt aus den Aufnahmen der wendländischen Amateurvideogruppe. Der Video umfaßt die Ereignisse von der Turnhallenbesetzung über die Lüneburger Auftaktkundgebung, Stunkparade, Splietauer Treckerblockade, Gleisblockaden, "X-tausendmal quer", die Seiltänzerinnen bis zum Polizeiüberfall auf die Splietauer Trecker. Er kostet 17 DM und kann bei der Bl Lüchow-Dannenberg, Drawehner Str. 3, 29439 Lüchow, Tel. 05841/4684, Fax: 3197 bestellt werden. Zur Erläuterung der unterschiedlichen Preise: "ausgestrahlt" ist teurer, weil er von einem Profi-Team gemacht wurde, d.h. die Leute leben davon, daß sie solche Filme machen, und da sie sich nicht vom Fernseheri abhängig machen wollen, finanzieren sie die Filmproduktion über den Verkauf der Videokassetten. Die beiden anderen Videos konnten kostengünstiger gemacht werden, da die Filmerinnen ehrenamtlich arbeiten und ihren Lebensunterhalt anderweitig verdienen.

Pressespiegel ,,X-tausendmal quer". Ungefähr zeitgleich mit diesem Rundbrief wird der Pressespiegel über "X-tausendmal quer" endlich fertiggestellt. Da es schon diverse andere Pressespiegel über niX3 gibt, konzentriert sich dieser auf "X-tausendmal quer", dokumentiert die Anzeigenkampagne im Vorfeld, die Berichterstattung während und nach der Aktion im In- und Ausland und die Bewertung der Aktion in verschiedenen Szenezeitschriften. Er ist trotz der Beschränkung recht umfangreich geworden und kann für 10 DM bei "X-tausendmal quer" bestellt werden.

Ebenfalls 10 DM kostet der Demonstrationsbeobachtungs-Bericht vom Komitee für Grundrechte und Demokratie, Bismarckstr. 40, 50672 Köln. Noch immer nicht fertiggestellt ist die Dokumentations-Broschüre zu "X-tausendmal quer". Es wird wohl leider auch noch einige Zeit dauern, bis dieses Werk vollendet ist. Wir hoffen auf Eure Geduld. Demnächst zu haben ist der Bericht vom Gorleben International Peace-Team GIPT, c/o Kurve, Kirchstr. 14, 29462 Wustrow.

Ganz am Anfang stehen die Arbeiten zum 3. Castor-Bildband. In der Tradition von "Castor - das Buch" und "Wir stellen uns quer"' wird bis frühestens Jahresende im Tolstefanz-Verlagsprojekt ein aufwendiger Bildband über den 3. Castortransport entstehen.

Wir trauern
um
Hilde Ostbaus aus Bremen
und
Hermann Bergengruen aus Hannover.

Beide sind in den letzten Monaten gestorben. Beide hatten mit den ihnen innewohnenden Kräften großen Anteil an der Vor- und Nachbereitung von "Xtausendmal quer".

 

Trainings in gewaltfreiem Handeln und für Sprecherinnenräte

Das TrainerInnenkollektiv der "Kurve Wustrow" hat in der Vorphase vor allem in Norddeutschland Bezugsgruppen in ein- bis dreitägigen Aktionstrainings auf "X-tausendmal quef' vorbereitet. Auch das große Räumungstraining am Sonntag vor dem Transport wurde vom TrainerInnenkollektiv durchgeführt. Nach "X-tausendmal quer" hat das Kollektiv ein Trainingsprogramm entwickelt, um gezielter auf SprecherInnenräte vorzubereiten und SprecherInnen mit ihrer Aufgabe vertraut zu machen.

Die Trainings sind thematisch nicht auf AntiAKW beschränkt. Die TrainerInnen bereiten auch antimilitaristische Gruppen und Aktionen gegen Freisetzungsversuche gentechnisch veränderter Lebewesen vor.

Kontakt: Bildungs- und Begegnungsstfitte für gewaltfreie Aktion, Kurve Wustrow, Kirchstr. 14, 29462 Wustrow, Tel.: 05843/507

Zum Schluß: Das Büro von "X-tausendmal quer" ist Ende Juni aufgelöst worden. Wir sind also telefonisch und per Fax nicht mehr zu erreichen. Briefe können aber weiterhin an die Blütlinger Adresse gerichtet werden. Sie werden auch, soweit die Kräfte reichen, bearbeitet. In dringenden Fällen könnt ihr aber noch die Telefon- und Faxnummer 05841/4521 anrufen.

Herzliche Grüße aus dem schönen Wendland

Die Koordinationsgruppe

P.S.: Einige von Euch haben es vielleicht durch Presse oder Fernsehen mitbekommen: Katja Tempel, Mit-Organisatorin von "Xtausendmal quer' war vom 31.7. bis 9.8. im Gefängnis in Vechta, weil sie sich weigerte, · eine Geldstrafe zu bezahlen. Sie war aufgrund eines klassischen Konzertes der Initiative "Lebenslaute" auf dem Gelände des Gorlebener Zwischenlagers wegen "Hausfriedensbruch" verurteilt worden. Der Gefängnisaufenthalt machte nochmal vielen Menschen deutlich, daß Ziviler Ungehorsam nicht mit dem Bezahlen einer Geldstrafe enden muß, und daß uns der Staat auch mit seinen härtesten Sanktionen nicht davon abhalten kann, das Notwendige zu tun. Viele Menschen zeigten im Wendland und im ganzen Bundesgebiet ihre Solidarität mit Katja, sie bekam in den zehn Tagen an die 200 Briefe. Und schon überlegen die nächsten, ob sie die Zahlung einer Strafe verweigern... Informationen über Katjas Gefängnisaufenthalt gibt es bei der Unterstützungsgruppe, c/o Klaus Kasten, 29465 Harpe 1


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