x-1000mal quer

4. Rundbrief vom 21.März 1997

Wichtigstes in Kürze:

· 9000 Menschen haben sich an der gewaltfreien Sitzblockade vor dem CastorVerladekran in Dannenberg beteiligt.

· 52 Stunden war die CastorStrecke trotz Versammlungsverbotes blockiert.

· Trotz nächtlicher Räumung, Wasserwerfereinsatz bei Minusgraden und immer massiver werdender Polizeigewalt blieben Xtausende standhaft. Gewalt ging nur von der Polizei aus.

· Erst 11 Stunden nach Beginn der Räumung konnte der CastorKonvoi Richtung Gorleben rollen.

· Die Polizei konnten den Transport nur mit massiven Rechtsbrüchen durchsetzen.

· Für viele war die "Xtausendmal quer"Blockade ein Höhepunkt in ihrer persönlichen Biographie und in der Protestgeschichte der Bundesrepublik. Die meisten Beteiligten werten die Aktion als grol3artigen Erfolg, auch wenn die CastorBehälter schließlich Gorleben erreicht haben.

· Wir sammeln Berichte, Gedächtnisprotokolle, Gedankenspiele, Aukeichnungen, notierte Erfahrungen, Fotos und Filmmaterial. Wir wollen die Aktion dokumentieren und wir wollen den Polizeieinsatz juristisch anfechten.

· Wir rufen ein weiteres Mal zu Spenden auf.

· Auf die vielfach geäußerte Frage "Wie weiter?" wollen wir keine vorschnelle Antwort geben. Gründliche Auswertung und ruhige Entwicklung weiterer Aktionsansätze stehen an.

· Wir laden ein zum großen Auswertungstreffen vom 12. bis 13. April 97 (Ort wird an diejenigen, die sich anmelden, noch bekanntgegeben)

LiebeFreundinnen und Freunde,

Etwa vier Wochen sind seit dem Tag X3, seit der Räumung der "Xtausendmal quer"Blockade vergangen. Noch immer haben wir nicht ganz verdaut, was sich in den Tagen Anfang März abgespielt hat. Liebend gerne hätten wir aus den unzähligen Presseberichten die Schönsten zitiert oder Passagen aus den vielen Briefen abgedruckt, die uns erreichten. Aber noch haben wir uns durch die Berge nicht ganz durchgearbeitet. Dieser Rundbrief ist ein erstes Lebenszeichen an alle Unterzeichnerinnen von Selbstverpflichtung und Solidaritätserklärung. Er kann eine gründliche Dokumentation und Auswertung der Ereignisse nicht ersetzen.

Was ist geschehen?

Im Wendland war schon in der Woche vor den eigentlichen ,,CastorTagen" eine Menge los: Schülerinnen und Schüler besetzten gemeinsam mit Eltern und Lehrerinnen mehrere Turnhallen. Nachdem die Gemeinden und der Landkreis LüchowDannenberg im Vorfeld beschlossen haben. in diesem Jahr die Hallen nicht der Polizei als Unterkunft zur Verfügung zu stellen, sollten die Gebäude von der Bezirksregierung für die Polizei beschlagnahmt werden. Dem kamen die Kids zuvor. Es entstand eine peinliche Situation für die Staatsorgane, da die Bilder einer Räumung von Kindern unbedingt vermieden werden sollten. Schließlich trotzten die Schülerinnen den Behörden bei der größten Halle einen Erfolg ab. Das Gebäude wurde aus dem Nutzungsplan gestrichen. Doch andere Hallen wurden um so dringender gebraucht und schließlich doch noch geräumt.

Die Zusammenführung des Zuges mit sechs CastorBehältern aus Gundremmingen, Neckarwestheim und La Hague im würnembergischen Walheim ging nicht gerade reibungslos vonstatten. Der Atommüll aus Frankreich wurde gleich hinter der Grenze blockiert, der Transport aus Gundremmingen in der Nähe von Ulm gestoppt und der Straßentransport von Neckarwestheim zum nahegelegenen Walheim konnte durch Blockaden und durch in Betonfässern angekettete Menschen mehrere Stunden verzögert werden. Am Tag vor der Abfahrt demonstrierten in Walheim 3.000 Menschen.

Zur Auftaktkundgebung der "heißen Phase" des CastorWiderstandes im Norden kamen am 1. März 15.000 Menschen nach Lüneburg. Am gleichen Wochenende wurde in unzähligen Städten demonstriert.

Am 2. März beteiligten sich 570 der 900 im Wendland ansässigen Landwirte mit ihren Treckern an der"Stunkparade" der "Bäuerlichen Notgemeinschaft" auf der CastorStrecke zwischen Gorleben und Dannenberg. Der 8 Kilometer lange Zug war die größte TreckerDemo in der Geschichte des GorlebenWiderstandes. Entlang der Strecke waren an diesem Tag 20.000 Menschen auf den Beinen, 10.000 kamen zur Abschlußkundgebung nahe dem Verladekran.

Bereits ab dem Ende der Woche wurden 12 Camps entlang der Schienen und Straßentransportstrecke besiedelt. Das größte Camp entstand zwischen Nebenstedt und Splietau für die Beteiligten an der Kampagne "Xtausendmal quer". Zwei große Zirkuszelte, ein hölzerner Aussichtsturm und zahlreiche weitere Großzelte wurden bald durch eine unübersehbare Menge kleiner Zelte ergänzt.

Das Camp war gut vorbereitet. Gekocht wurde vom niederländischen Kollektiv "Rampenplan", es gab ein großes Infozelt, die Materialverwaltung, eine "Kleiderkammer" für Wechselklamotten (Wasserwerfer!), eine Presseanlaufstelle, einen Treffpunkt für Menschen, die noch neue Gruppen bilden wollten, ein SanitäterinnenZelt, ein "Arbeitsamt" bei dem die vielen zum Funktionieren von Camp und Blockade notwendigen Unterstützungsarbeiten koordiniert wurden.

Am Sonntagabend, direkt im Anschluß an die "Stunkparade" machten die Bauern und Bäuerinnen mit 70 Treckern die Ortsdurchfahrt von Splietau dicht. Noch in der Nacht wurde die Straße von fleißigen Wühlmäusen an verschiedenen Stellen untertunnelt. Damit war die Hauptstraßenstrecke für den Castor unpassierbar geworden und blieb es auch für die nächsten entscheidenden Tage.

Die Abfahrt des Zuges in Walheim in der Nacht auf Montag wurde von 500 Leuten blockiert. Auf dem Weg durch die Republik kam es immer wieder zu Aktionen. So mußte der Zug bei Göttingen stoppen, da Leute die Gleise blockierten.

Am Montagmorgen, so war es im gemeinsamen "Streckenkonzept" vorgesehen, gingen aus allen Camps die Leute trotz des um Mitternacht begonnenen Versammlungsverbotes an oder auf die Strecke. Aus dem "Xtausendmal quer"Camp machten sich 2.000 bis 3.000 Menschen Richtung Verladekran auf und besetzten zuerst die B 191 östlich der Krankreuzung. Inzwischen war nämlich durchgesickert, daß die Polizei die Ausweichstrecke im Norden (über Quickborn, Langendorf) für den Transport favorisiert, weil die übliche Südstrecke von der "Bäuerlichen Notgemeinschaft" weiter blockiert war.

An anderen Streckenabschnitten wurde ebenfalls blockiert, teils durch sitzende Menschen, teils durch Barrikaden. Doch die Polizei machte mit vehementen, teils brutalen Einsätzen deutlich, daß sie die Nordstrecke unter allen Umständen freihalten wollte. Verschiedene Unterhöhlungsversuche scheiterten. In diesem Bereich kam es auch immer wieder zu Angriffen auf die Polizei.

Die Blockiererinnen von "Xtausendmal quer" konnten sich langsam Richtung Kreuzung "vorarbeiten" und schließlich zog sich die Polizei bis direkt vor den Kran zurück, so daß auch noch die Zubringerstraße zur Verladestation belagert werden konnte. Nach und nach wurde deutlich, daß die Polizei vorerst keinen Versuch machen würde, die gegen das Versammlungsverbot verstoßende Blokkade zu räumen.

Für den späten Montagnachmittag war die Ankunft des CastorZuges in Dannenberg geplant. Immer mehr Menschen, gerade auch aus dem Landkreis, kamen nun am Kran zusammen. Doch der Zug ließ auf sich warten. Die Stimmung wurde immer besser, als nach und nach die Meldungen eintrafen, daß der Castor seit seiner Ankunft in Lüneburg nur noch stückchenweise vorankommt.

Verschiedene Blockaden auf den Schienen, Unterhöhlungsaktionen und vor allem die an den Gleisen festbetonierten oder angeketteten gewaltfreien Aktivistinnen konnten den Transport um insgesamt acht Stunden aufhalten. Erst zwischen ein und zwei Uhr in der Nacht erreichte der strahlende Zug Dannenberg. Mit Unmengen Stroh, das auf der Straße verteilt wurde, hatten sich Tausende auf die kalte Nacht eingerichtet.

Am Dienstag wurden die sechs CastorBehälter mit dem Kran von den Waggons auf Tieflader umgepackt. Weitere Versuche verschiedener Gruppen, die Nordstrecke dicht zu machen, wurden von der Polizei mit brutaler Gewalt unterbunden. Die Blockaden der Bäuerlichen Notgemeinschaft in Splietau und von "Xtausendmal quer" am Verladekran allerdings hatten Bestand. Am Kran hielt der Zulauf den ganzen Tag an.

Am frühen Abend wurde dann bekannt, daß die Polizei bereits für die Nacht die Räumung der Sitzblockade plante. Die Menschen auf der Straße stellten sich darauf ein.

Um 1 Uhr begann die Räumung durch BundesgrenzschutzEinheiten aus Rich tung Verladekran. Die Straße war bis zur Kreuzung und von dort noch etwa 250 Meter nach Osten dicht an dicht mit Men schen besetzt. Unglaublich: Aus "Xtausendmal quer" war "9.OOOmal quer" geworden. Nach vier Stunden Wegtragen (nach Polizeiangaben wurden 2.500 Menschen von der Straße gehoben) setzte die Staatsgewalt auf Eskalation.

Ab 5 Uhr wurde ein Wasserwerfer eingesetzt. Zuerst wurden die auf dem Boden Sitzenden nur"beregnet" (immerhin habe es Minusgrade), später wurde der Wasserdruck immer härter. Zum Glück waren die Blockiererinnen gut mit Planen ausgerüstet, so daß schlimmste Durchnässungen zeitweilig vermieden werden konnten. Die Stimmung unter den teilweise riesigen Folien war gut, teilweise sogar ausgelassen ("Yellow submarine"). Waren die Beamtinnen beim Wegtragen noch 40 Meter pro Stunden vorwärtsgekommen, so waren es mit dem Wasserwerfer nur noch 30 Meter.

Die seit Stunden im Einsatz befindlichen BGSlerinnen wurden allerdings immer ruppiger, so daß die Ablösung durch Magdeburger Einheiten um 7 Uhr zuerst Besserung verhieß. Doch schnell stellte sich heraus, daß die sachsenanhaltinische Polizei den Auftrag habe, das RäumungsTempo mit unerlaubten Methoden zu erhöhen. Fausthiebe ins Gesicht, Tritte gegen auf dem Boden liegende und Schläge auf die Planen, unter denen sich die Blockiererinnen befanden, nahmen rapide zu.

Doch auch diesem Einsatz hielten die Menschen auf der Straße stand. Die ursprünglich für 6 Uhr geplante Abfahrt des CastorKonvois mußte Stunde um Stunde verschoben werden. Gegen 9 Uhr zeigte sich, daß der TransportZeitplan für die Polizei wirklich höher steht als die Rechte der gewaltfreien Sitzblockiererinnen. An der Ostseite der Blockade begannen Berliner Einheiten einen äußerst brutalen Kampf mit Hochdruckwasserwerfer, Knüppel, Fausthieben und Fußtritten. Teilweise wurden die Leute auf der Straße regelrecht plattgewalzt.

Die Statistik der Sanitäterinnen listet 16 Menschen auf, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten (Augenverletzungen durch Wasserwerfer, Knochenbrüche durch Knüppeleinsatz, Nasenbruch durch Faustschlag, Nierenprellung durch Tritt, etc.), 27 weitere schwere Verletzungen (Unterkühlung, Augenverietzungen, Wirbelsäulenverletzungen, Rippenprellungen, alles durch Wasserwerfer Schädelprellung durch Schlagstock, zahlreiche Gesichtsverletzungen durch Faustschläge) und 70 sogenannte leichte Verletzungen (Platzwunden, Strangulationsmale am Hals, Gesichtsverletzungen, Unterkühlungen, Kopfplatzwunden, Rippenprellungen, Nierenprellungen, Bindehautreizungen ausgelöst durch Wasserwerfer, Faustschläge, Tritte, Schlagstöcke).

Insgesamt wurden bei der Räumung von "Xtausendmal queh also 113 Verietzungen registriert. Doch die Liste ist äußerst unvollständig, da mehrere Sanitäterinnen keine Protokolle abgegeben haben. Wahrscheinlich haben sich mehr als 100 Leichtverletzte nicht in Behandlung der Sanitäterinnen begeben. Zusätzlich haben Hunderte Unterkühlungen erlitten.

Viele Menschen waren schlichtweg entsetzt über die Gewalt. Trotzdem gelang es, der Eskalation durch die Polizei zu widerstehen. Niemand ging aus Wut oder Entsetzen zu Gegenangriffen über. Der gewalffreie Charakter der Aktion blieb bis zuletzt gewahrt. Die zur Legitimation des Polizeieinsatzes nötigen Bilder wurden nicht geliefert.

Mitten unter den Sitzenden hatten sich einige Leute an den Straßenbäumen angekettet. Sie konnten den Berliner Gewaltapparat allerdings nur kurz aufhalten. Um etwa 10 Uhr war die Straße frei Doch der Transport konnte erst zwei Stunden später starten, da vier Leute auf Seile zwischen den Alleebäumen geklettert waren, acht Meter über der Straße. Es dauerte lange, bis die Polizei die Seiltänzerinnen wieder auf dem Boden hatte und die dazu verwendeten Methoden waren für die vier schlicht lebensgefährlich.

Für den Rest der Strecke benötigte der Transport dreieinhalb Stunden.

Immer wieder machte sich die brutal vorgehende Polizei dabei die fehlende Öffentlichkeit zu Nutze, da die Medienvertreterinnen schon traditionell keine Präsenz auf der Straße zeigen, sondern nur am Kran und am Zwischenlager berichten.

Erste allgemeine Bewertung

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der CastorWiderstand sich Jahr um Jahr weiterentwickelt. Das wendländische "Streckenkonzept" ist weitgehend erfolgreich gewesen, ist es doch erstmals gelungen, die Hauptstrecke unpassierbar zu machen. Auch zum ersten Mal hat es geklappt, den Zeitplan mächtig durcheinanderzuwirbeln. Es waren hauptsächlich gewalffreie Aktionen, die diese Verzögerungen bewirkten. Die Ankunft des Zuges war acht Stunden verspätet, die Abfahrt des Straßentransports sechs Stunden. Manchem/r mag dies vielleicht wie Erbsenzählerei vorkommen, doch liegt in diesen "Zeitgewinnen" angesichts des größten Polizeiaufgebotes in der Geschichte der Republik (30.000 Beamtinnen) mehr als nur symbolische Bedeutung.

Auch wenn jetzt insgesamt acht CastorBehälter in der Gorlebener Lagerhalle vor sich hinstrahlen, ist für die AtomstrategInnen aus Regierung und Industrie nichts gewonnen. Der Widerstand gegen die verfehlte Energiepolitik geht gestärkt aus diesen Tagen hervor. Die AtomikerInnen werden es nicht einfacher haben, selbst wenn der vielbeschworene und doch so unsinnige "Entsorgungskonsens" zustandekommt.

Möglicherweise wird der nächste Transportversuch nach Gorleben wegen Landtags und Bundestagswahl (d.h. wegen unserer Stärke) bis zu zwei Jahre auf sich warten lassen. Sicher ist dies allerdings nicht und mensch sollte auf alles vorbereitet sein. Und gleichzeitig geht heimlich still und leise die Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben ihrer Inbetrieb nahme (1998) entgegen (wenn wir uns nicht wehren).

Die Betreiber des AKW Neckarwestheim haben für den Herbst einen CastorTransport ins westfälische Zwischenlager Ahaus angekündigt. Allerdings steht dafür die letzte Genehmigung noch aus. Ob es nur ein Testballon war oder konkrete Pläne dahinterstecken, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Klar ist, daß sich auch in Ahaus Xtausende querstellen werden. Die AntiAtomBewegung hat durch die GorlebenTransporte so großen Zulauf aus der ganzen Republik erhalten, daß auch ein AhausCastor mit entsprechender Beachtung und Behinderung rechnen muß. Erste Aktionspläne reifen bereits.

Jetzt zu "Xtausendmal quer": Wir sind tief beeindruckt

Damit haben selbst die größten Qptimistinnen nicht gerechnet: 9.000 Menschen haben sich an "Xtausendmal quer" in der Nacht auf den 5. März beteiligt. Dies war die größte Sitzblockade in der Geschichte der Bundesrepublik. Insgesamt 52 Stunden war die CastorTransportstrecke vor dem Dannenberger Verladekran trotz Versammlungsverbotes dicht. Neun Stunden hat die Polizei gebraucht, um die gewaltfreie Sitzblockade zu räumen. Und dies ist ihr nur mit rechtswidriger brutaler Gewalt gelungen. Trotzdem ließen sich 9.000 Menschen nicht provozieren und selbst von übelsten Attacken nicht zu sogenannten "Ausschreitungen" hinreißen, die zur Legitimation der Polizeigewalt nötig gewesen wären. Seibst die mit eskalierender Absicht gewählte Nachträumung brachte nicht das von der Polizei erhoffte Ergebnis. Die Disziplin, Würde und Standhaftigkeit der Menschen auf der Straße war fast unglaublich.

Fast alle Beteiligten an der Blockade, mit denen wir bisher gesprochen haben, waren sehr zufrieden mit der Aktion und überwältigt von der Kraft und der gegenseitigen Solidarität, die durch diese gewaltfreie Aktion entstanden ist.

Viele fragen: Wie war das möglich?

Gewaltfrei bedeutet mehr als nur "keine Gewalt". Der Ansatz von "Xtausendmal quer" ging weit über den Minimalkonsens des wendländischen Widerstandes, keine Menschen zu gefährden, hinaus. Durch die Selbstverpflichtung und die Ubereinkunft von "Xtausendmal quer" war eine breite gemeinsame Basis vorhanden. In den Tagen im Camp und vor dem Verladekran sind auf organisatorischer und menschlicher Ebene Strukturen entstanden, die sich in der Räumungssituation bewährt haben. Tausende waren in Gruppen organisiert, die sich über den Sprecherinnenrat koordinierten und gemeinsames Handeln organisierten. Der Rat, an dem teilweise bis zu 200 Sprecherinnen teilnahmen, hat von Tag zu Tag schneller und flexibler gearbeitet und so gezeigt, daß sich auch große Aktionen basisdemokratisch und nach dem Konsensprinzip durchführen lassen.

Viele Bezugsgruppen haben sich erst vor Ort gegründet, manche erst wenige Stunden vor der Räumung. Doch beeindrukkend war auch, wie gut vorbereitet viele Leute waren und wie groß die Fähigkeit war, sich in die Aktion einzubringen.

Training in gewaltfreiem Handeln, offensives freundliches Zugehen auf Neuankömmlinge, gründlich vorbereitete Infrastruktur und Versorgung, Machtabbau durch offene Strukturen, hunderte von aktiven UnterstützerInnen, Einbeziehung "Neuer" in wichtige Funktionen und die immer wieder gezeigte Mitverantwortung aller Beteiligten waren nur einige der Faktoren, die am Ende zu einer der größten und kraftvollsten gewaltfreien Aktionen in der Geschichte der Bundesrepublik geführt haben.

Was hat es gebracht?

Der Transport wurde von der Polizei durchgesetzt. Es gab trotz unseres gewaltfreien Handelns zahlreiche verletzte BlockiererInnen. An anderen Streckenabschnitten nutzte die Polizei die geringe Medienpräsenz und räumte rigoros und ohne Rücksicht auf Verluste. Trotzdem wurden die drei Hauptziele der Kampagne "Xtausendmal quer" erreicht.

Erstens konnten deutlich mehr Menschen motiviert werden, sich querzustellen. Waren beim letzten CastorTransport 1996 insgesamt 6.000 Menschen auf und neben der gesamten Strecke aktiv, so waren diesmal alleine am Kran 9.000 auf der Straße (Dazu kommen noch etliche Tausend auf der weiteren Strecke). Auch der Mut und die Entschlossenheit der Einzelnen ist gewachsen. Nur ein Teil der BlockiererInnen hatte die Selbstverpflichtung von "Xtausendmal quer" unterzeichnet, trotzdem war es möglich, die vielen Tausend unorganisierten, spontan dazu gekommenen Menschen in die Blockade zu integrieren. Viele waren das erste Mal dabei und konnten durch den Rahmen von "Xtausendmal quer" Kräfte entwikkeln, die sogar dem Wasserwerfer bei Minusgraden trotzten.

Den uns vorliegenden Berichten einiger BlockiererInnen ist zu entnehmen, daß innerhalb weniger Tage oder gar Stunden persönliche Lern und Reifeprozesse ungeahnten Ausmaßes stattgefunden haben. So steht die Wirkung "nach innen" der politischen Wirkung "nach außen" in nichts nach. Die kollektive weitgehend positive Erfahrung Xtausender mit dem gewaltfreien Widerstand wird auf Jahre hinaus die Protestbewegungen in der Bundesrepublik günstig beeinflussen. Schon jetzt ist klar, daß bei einem nächsten Castor nochmals deutlich mehr Menschen auf die Straße gehen werden.

Zweitens ist die Diffamierungskampagne von Politik und Medien nicht aufgegangen. Kanther, Merkel, Schröder und Glogowski versuchten vergeblich, die "Ausschreitungen" herbeizureden und den gewaltfreien Widerstand zu entlegitimieren. Sie wollten die ultimative "Schlacht um Gorleben", die jeglichen zukünftigen Protest denunziert, aber sie haben sie nicht bekommen. Ganz im Gegenteil: daß es trotz immer massiver werdender Polizeigewalt bei der Räumung von "Xtausendmal quer" zu keiner Eskalation kam, ist einzig und allein den 9.000 Menschen zu verdanken, die sich selbst durch brutalste Szenen nicht provozieren ließen.

Drittens ist es gelungen, die Polizei und ihre politische Führung in eine Legitimitäts und Legalitätskrise zu bringen. Die Bilder von der Räumung unserer Blockade gingen um den Globus und waren weltweit an erster Stelle in den Abendnachrichten. Trotz zum Teil entstellender Berichterstattung der deutschen Medien ist vielen Menschen deutlich geworden, daß die umstrittene Energiepolitik nur noch mit massiver staatlicher Gewalt gegen die "eigene" Bevölkerung durchsetzbar ist. Polizei und Regierung haben sich öffentlich ins Unrecht gesetzt, haben demonstriert, daß sie den Profitinteressen einiger Konzerne eine größere Loyalität entgegenbringen als denjenigen Menschen, die sich dagegen wehren, den kommenden Generationen immer mehr strahlendes Erbe zu hinterlassen.

All diese trägt dazu bei, einen nächsten Castor unwahrscheinlicher zu machen.

Die Polizei in der Falle:

Wir haben es erlebt, als uns die Einsatzleitung am Nachmittag vor der Räumung zum Gespräch bat. Sie waren mit ihrem Latein am Ende, wußten nicht, wie sie Xtausende so von der Straße bekommen, daß sowohl der CastorZeitplan als auch die Rechte der BlockiererInnen eingehalten werden. Sie hofften inständig auf Ausschreitungen". Und sie erklärten uns klar und deutlich, daß im Zweifelsfall der Zeitplan wichtiger ist, als unsere körperliche Unversehrtheit und Menschenwürde.

Der Rechtsbruch wurde in diesem Gespräch dramatisch offen angekündigt.

Wir wollen es jetzt wissen:

Im Vorfeld haben wir angekündigt, daß die Frage der Verhältnismäßigkeit polizeilichen Handelns (bei aller Kritik auch an "rechtmäßigen" Polizeieinsätzen) ein Knackpunkt bei "Xtausendmal quer" werden wird. So ist es nun gekommen. Der Castor war nur noch unter Mißachtung gültiger Rechtsnormen durchsetzbar, und dies ist aufgrund der massiven Gewalt gegen gewaltfreie SitzblockiererInnen so offensichtlich wie noch selten geworden. Deshalb gilt es jetzt nicht lockerzulassen. Wir haben Einsatzleitung und Innenministerium im Vorfeld erklärt, daß wir sie aus dieser Verantwortung nicht entlassen und so werden wir uns nun auch verhalten. Denn wer im Voraus bereits weiß oder wenigstens ahnt, daß ein Polizeieinsatz rechtswidrig ist und ihn dann trotzdem anordnet, der muß zur Rechenschaft gezogen werden, weil er sonst immer wieder aufs neue so handeln würde. Wir lassen uns von den Krokodilstränen des Gesamteinsatzleiters Dautert angesichts des harten Knüppeleinsatzes der Berliner Polizei nicht einlullen.

Wir wollen eine juristische Klärung: Wir sammeln Zeuginnenaussagen von allen, die dabei waren, ob auf der Straße oder am Rande. Wir suchen juristisch verwertbare Beobachtungen über das Verhalten der Polizei. Es geht um einzelne Ubergriffe, um Lautsprecherdurchsagen, um Eskalationsschritte, um Räumungssituationen. Bitte nehmt nichts als ungerecht hin, sondern benennt das Unrecht als solches und laßt uns eure Schilderungen zukommen. Bitte notiert auf dem Briefumschlag das Stichwort"JustizAG". Danke!

Herzlichen Dank

an all die vielen Leute, die mit kleinen und großen Taten dazu beigetragen haben, daß "Xtausendmal quer" geklappt hat. Dank an alle, die mit Geld oder Sachspenden die Umsetzung der Idee ermöglicht haben. Das Leben im Camp, das Uberleben auf der Straße und die geballte gewaltfreie Kraft in der Räumungssituation wären nicht denkbar gewesen, ohne die Unterstützung vieler, vieler Menschen, aus dem Landkreis LüchowDannenberg und aus dem ganzen Bundesgebiet. Sie hier alle zu nennen, würde jeglichen Rahmen sprengen.

Besonders nennen möchten wir deshalb lediglich Bauer Harms aus Splietau, der uns für das Camp seine Äcker zur Verfügung gestellt hat, das niederiändische Kochkollektiv "Rampenplan", das täglich xtausend Essen zauberte, die reisenden Handwerkerinnen, die beim CampAufund Abbau unersetzliche Arbeit leisteten und dem wendländischen Straßenchor, der mit der Kraft der Lieder mehr als einmal in schwierigen Situationen dazu beitrug, aus Wut und Verzweiflung neuen Mut und Zuversicht wachsen zu lassen. Schließlich ein Dank an Friedrich Erbacher aus Schwäbisch Gmünd, der mit seinem organisatorischen KnowHow so manches von dem entwickelte, was dann durch die Mitarbeit aller gut funktionierte.

Dank gilt auch denjenigen, denen Sitzblockaden zu "lasch" sind und die trotzdem den Mut und die Entschlossenheit der an "Xtausendmal quer" Beteiligten jederzeit respektiert haben.

Entschuidigen

müssen wir uns bei den über 1.700 Menschen, deren Namen aus Zeitnot nicht mehr in Anzeigen veröffentlicht werden konnten, obwohl sie Selbstverpflichtung oder Solidaritätserklärung unterschrieben haben. Wir haben entschieden, auf den Abdruck im nachhinein zu verzichten und hoffen, daß Ihr damit einverstanden seid. Um Nachsicht bitten wir auch diejenigen, die am Zwischenlager im Rahmen von "Xtausendmal quer" blockieren wollten. Nachdem sich fast alle Gruppen im Camp für den Kran als Blockadepunkt entschieden hatten und nachdem die Räumung der Blockade so lange gedauert hatte, waren keine Kräfte mehr frei, auch noch den zweiten Blockadepunkt zu organisieren. Der Versuch, nochmal bei Grippel die auf der weiteren Strecke agierenden Gruppen zu unterstützen, ist leider an der hohen Polizeipräsenz und dem Tempo des CastorKonvois gescheitert.

Neue Diskussion um "Xtausendmal quer"

Wir haben bereits im 1. Rundbrief geschildert, daß es von Anfang an auch Kritik am Aktionskonzept von "Xtausendmal quer" gab. Zum einen haben Leute die Kampagne kritisiert und zum Teil diffamiert, die selbst wenig von gewalffreiem Widerstand halten. Zum anderen gab es solidarische Kritik, die uns auf manche Schwachpunkte hinwies und uns ermöglichte, die Vorbereitung der Aktion entsprechend zu verfeinern.

Nach dem großen Erfolg der Aktion hat ein Teil der Kritikerinnen Courage gezeigt und Fehler in der eigenen VorfeldEinschätzung eingeräumt, ja sogar Komplimente an die Beteiligten verteilt. Andere üben aus verschiedenen Gründen neue Kritik an der Aktion.

Da sind Menschen, die konstruktiv darüber nachdenken, was bei einem möglichen nächsten Mal noch verbessert werden kann.

Da gibt es Leute, die mit den Aktionen entlang der weiteren Strecke, an denen sie zum Teil beteiligt waren, eher unzufrieden sind und nun der"erfolgreicheren" Aktion am Kran ein Teil der Verantwortung dafür zuschreiben wollen. Dies gipfelt in der Behauptung, das brutale Vorgehen der Polizei auf der Strecke nach Gorleben (zum Teil auch gegen dort stattfindende gewaltfreie Sitzblockaden) sei durch "Xtausendmal quer" verursacht und zu verantworten.

Manche schon lange in der AntiAtomBewegung Aktive fühlen sich zwischen allen Stühlen, da sie bei Kritik an Leuten, die entlang der Strecke die Polizei angreifen wollten, zu hören bekamen "Geht doch zum Kran, wenn euch das nicht paßt" und dann bei "Xtausendmal quer" auf ein enges Aktionskonzept trafen, daß nicht ihrer flexiblen Vorstellung von (gewaltfreiem) Widerstand entspricht.

Und diejenigen, die schon im Vorfeld deutlich machten, daß sie wenig Interesse an einer erfolgreichen Manifestation gewaltfreien Widerstandes haben, suchen nun verzweifelt nach Haaren in der Suppe, um diese dann den oben beschriebenen Unzufriedenen zur Kanalisation ihres Unmutes anzubieten. Unehrlich ist dieses Vorgehen deshalb, weil die Differenzen in Grundsatzfragen hinter herausgepickten und verfälschten Teilaspekten versteckt werden. Eine Diskussion über die Verantwortung des eher militanten Flügels der Bewegung an verschiedenen Ereignissen während der"CastorTage" soll dadurch abgewürgt werden.

Besonders beliebt bei den Kritikerinnen ist die Sammlung von Anekdoten, die beweisen sollen, was bei "Xtausendmal quer" alles "verboten" war und die beweisen sollen, daß hier eine "Hilfspolizei" am Werk war, die nichts anderes im Sinn hatte, als den Widerstand zu spalten. Dabei ist es doch offensichtlich, daß es z.B. nicht im Sinne der Aktion war, Leute nur wegen ihrer schwarzer Kleidung wegzuschicken, auch wenn dies vereinzelt geschehen sein soll. Die Aufzählung solcher Fälle hilft allerdings der Suche nach Gemeinsamkeiten nicht weiter. Das wäre, als würden wir anfangen, die Steine zu zählen, die an anderen Streckenabschnitten zum Teil mitten in Sitzblockaden reingeflogen sind.

Wir hoffen, daß die gestreuten "DolchstoßLegenden" den großen Erfolg von "Xtausendmal quer" nicht im Nachhinein zerstören und wir hoffen auf einen konstruktiven Dialog mit all jenen, die daran interessiert sind, bei einem möglichen nächsten Mal noch effektiver und überzeugender gemeinsam Widerstand leisten zu können.

Wir bitten alle an "Xtausendmal quer" Beteiligten, sich in die beginnende Diskussion einzumischen. Überall dort, wo Kritik undifferenziert oder gar diffamierend verwendet wird, besteht Klärungsbedarf, damit sich keine falschen Bilder festsetzen. Gerade im Landkreis LüchowDannenberg hoffen wir auf die vielen Stimmen derjenigen, für die die Sitzblokkade am Kran wichtig, richtig und notwendig war, damit die lauten Stimmen einiger Kritikerinnen nicht alles übertönen.

Klar ist, das auch die an der Blockade am Kran Beteiligtem Fehler machten, Situationen falsch einschätzten, mai den falschen Ton trafen etc. Wir können sicher aus ali dem noch eine Menge lernen.

Wie geht es weiter?

Wichtig ist sicherlich die gründliche Auswertung und Bewertung von "Xtausendmal quer", gerade auch im Kontext des ganzen "Streckenkonzeptes" des CastorWiderstandes. Wir ermuntern alle Leser und Leserinnen dieses Rundbriefes ausdrücklich, sich an dieser Diskussion, z.B. in schriftlicher Form, zu beteiligen.

Zusätzlich findet ein

Großes Auswertungstreffen am 12. und 13. April im Wendland |

statt. Der genaue Ort ist noch nicht klar, wird aber all denjenigen mitgeteilt, die sich bei der Adresse von "Xtausendmal quer" anmelden. Besonders eingeladen sind zu dem Treffen Sprecherinnen der an der Aktion beteiligten Bezugsgruppen.

Ob es für einen möglichen neuen CastorTransport eine neue "Xtausendmal quer"Kampagne geben wird, bis es jetzt eine ähnliche Aktion in Ahaus, Greifswald

oder Morsleben geben sollte, ob andere Ansätze direkter gewalffreier Aktion verstärkt werden, ob die Idee eines großen wendländischen Sommercamps für alle Beteiligten an "Xtausendmal quer" in die Tat umgesetzt wird, all dies wollen wir erst nach der Auswertungsphase und in Abstimmung mit anderen Gruppen des Widerstandes entscheiden. Wir bitten Euch, jetzt nicht vorschnell und unkoordiniert neue überregionale Aktionsaufrufe zu starten, sondern gemeinsam mit allen zu beraten, wie es nach der erfolgreich verlaufenen Kampagne "Xtausendmal quer`' weitergeht.

Ein Schwerpunkt der Weiterarbeit wird auch die bereits genannte juristische und politische Aufarbeitung des polizeilichen Vorgehens sein.

Da ein Teil der Presse die Bedeutung von Xtausendmal quer" teils beabsichtigt teils unbeabsichtigt verschlafen hat, ist es sehr wichtig, daß alle an der Kampagne Beteiligten eigene Wege der Öffentlichkeitsarbeit gehen. Diesen Rundbrief bekommen ca. 6.000 Menschen. Wenn davon die Hälfte sich die Mühe macht, ein Rundschreiben über das Erlebte oder das hier Gelesene an Freundinnen und Bekannte zu schreiben, wenn ihr, falls möglich, eigene Berichte in euch zugängliche Rundbriefe, Zeitungen, Zeitschriften und andere Medien unterbringt, wenn ihr einfach weitererzählt, was sich Anfang März im Wendland ereignet hat, dann tragt ihr mit dazu bei, daß unser Widerstand Früchte trägt und daß wir unserem gemeinsamen Ziel, der Stillegung aller Atomanlagen, näherkommen.

Der Film über "Xtausendmal quer"

Ende April erscheint "ausgestrahlt", der VideoDokumentarf ilm über "Xtausendmal quer". Das Team von "FocusFilm" aus dem Schwarzwald (hat nichts mit der Zeitschrift "Focus" zu tun), geübt im Dokumentieren bedeutender gewaltfreier

Aktionen (u.a. Film über das Friedenscamp zwischen den Fronten im Golfkrieg) hat "Xtausendmal quer" während des Camps und der Blockade Tag und Nacht begleitet. Der Film entsteht unabhängig von Fernsehanstalten und finanziert sich rein über den Verkauf der Videokasetten. Für eine halbe Stunde professionell gemachte Dokumentation bezahlt ihr lediglich 39 DM. Bitte beachtet die beiliegende Info auf den WWWSeiten (Material) und bestellt schon jetzt, damit die Auflage besser kalkuliert werden kann.

Dokumentationen und Berichte

Neben der von uns selbst geplanten Dokumentation (siehe nächster Abschnitt) sind verschiedene Berichte über den CastorWiderstand Anfang März bereits erschienen oder in Vorbereitung. Der Bericht der Pastoren und kirchlichen Mitarbeiterinnen, die sich in der Rolle der Vermittlerinnen und Beobachterinnen sahen ist eine umfangreiche und interessante Broschüre geworden, die allerdings die Geschehnisse bei der"Xtausendmal quer"Blockade nicht umfassend beschreibt. Sie kann für 10 DM beim

Kirchenkreisamt, 29451 Dannenberg bestellt werden.

Das "Gorleben Internationale Peace Team" (GIPT), zusammengesetzt aus gewaltfreien Aktivistinnen von vier Kontinenten, hat die Ereignisse beobachtet und verfaßt einen eigenen Bericht, der über die Kurve,

Kirchstr. 14, 29462 Wustrow bestellt werden kann.

Auch das Komitee für Grundrechte und Demokratie hatte wieder 20 DemonstrationsbeobachterInnen "im Einsatz". Zur Zeit entsteht der umfangreiche Bericht, der beim

Komitee, Bismarckstr. 40. 50672 Köln

erhältlich ist. (S.ebenfalls die wwwSeiten "x3 danach".)

Kürzere Berichte vom Ermittlungsausschuß Gorleben und von der Demo, SaniGruppe können über die

BI LüchowDannenberg, Drawehner Str. 3 29439 Lüchow

angefordert werden.

Ein Pressespiegel ist in Arbeit und kann bei

Tolstefanz, Wendländisches Verlagsprojekt, 29439 Jeetzel 41

bestellt werden.

Bunt gemischte Hinweise zur Auswertung und Weiterarbeit

Fundsachen

aus dem Camp und von der Blockade werden in Blütlingen aufbewahrt. Wer aiso etwas vermißt kann sich bei der"Xtausendmal querKontaktadresse melden. Bitte das Stichwort "Fundbüro" schon außen auf den Umschlag schreiben.

· Wer die

Liedersammlung des Straßenchors

haben möchte oder dem Chor weitere Lieder (Text & Melodie) zukommen lassen möchte schreibe an "Xtausendmal quer" mit dem Stichwort "Straßenchor" auf dem Umschlag.

· Die Leute, die den Sprecherinnenrat vorbereitet haben, wollen eine gründliche Auswertung machen. Es wird einen Fragebogen für alle geben, die beim Rat als Gruppensprecherinnen dabeiwaren. Da es keine Adressenliste der Sprecherinnen gibt, müssen alle, die an der Auswertung mitwirken wollen, den Fragebogen bei uns anfordern und zwar bei "Xtausendmal queK' mit dem Stichwort "Sprecherinnenrat" auf dem Umschlag.

· Einige der Initiatorinnen von "Xtausendmal quef' werden zur Zeit wegen anderer gewaltfreier Aktionen Zivilen Ungehorsams im Widerstand gegen die CastorTransporte von der Justiz verfolgt. In nächster Zeit wird es zu einer ganzen Reihe von Gerichtsverhandlungen wegen der öffentlichen Demontage von Schienen am unbefahrenen CastorGleis in Dannenberg kommen. Katja Tempel und Jochen Stay sollen noch im Frühjahr für 10 bzw. 20 Tage ins Gefängnis, da sie sich weigern, Geldstrafen wegen Hausfriedensbruchs zu zahlen. Sie hatten sich 1994 an einem Konzert der Gruppe "Lebenslaute" auf dem Gelände des Zwischenlagers in Gorleben beteiligt. Wer mehr über diese Fälle wissen oder über Wege der Unterstützung informiert werden möchte, schreibe uns mit dem Stichwort "Ziviler Ungehorsam" auf dem Umschlag.

· Wenn Ihr noch Leute kennt, die bisher keine Rückmeldung an "Xtausendmal quef' unterschrieben haben, aber über alles Kommende von uns informiert werden möchten, laßt uns ihre Adressen zukommen. Schreibt auf den Umschlag das Stichwort "Rundbrief"

· Um die Kraft und Würde der Aktion nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sind verschiedene Projekte der Dokumentation und des Gedenkens in Arbeit oder Vorbereitung. Auch dafür werden Aufzeichnungen eurer Erfahrungen, Gedanken, Gefühle, Bewertungen benötigt. Auch Fotos, Filmaufnahmen und Presseausschnitte könnt ihr uns schicken. Bitte dafür das Stichwort "Doku" auf dem Umschlag vermerken.

Thema Geld:

Viele haben sich bei uns für die gute Organisation von "Xtausendmal quef' bedankt. Trotz allen Engagements und der vielen Sachspenden mußten wir für das Funktionieren der Infrastruktur eine große Menge Geld ausgeben. Auch die geplante juristische Anfechtung des polizeilichen Vorgehens wird nicht billig werden. Deshalb die Bitte an alle, die diesen Rundbrief lesen: Tragt mit einer großzügigen Spende dazu bei, daß wir nicht auf Xtausend DM Schulden sitzenbleiben. Herzlichen Dank! Sollte es eventuell Überschüsse geben, so werden diese voll und ganz dem weiteren AntiAtomWiderstand zu Gute kommen.

Wer in den Tagen im Camp und auf der Blockade nicht dazukam, für das RampenplanEssen zu spenden, kann dies jetzt nachholen. Bitte bei solchen Uberweisungen auf das "Xtausendmal quer"Aktionskonto das Stichwort "Rampenplan" hinzufügen.

Zum Schluß:

Manche Beteiligte projizieren ihre Begeisterung über die Kraft und Ausstrahlung von "Xtausendmal quer" auf eine Person: Jochen Stay, der in der Räumungsnacht im Lautsprecherwagen saß, bekommt zur Zeit von sehr vielen Menschen liebe Dankesworte zu hören. So nett dies gemeint ist und so wohltuend und aufbauend es für Jochen ist, bleibt doch festzustellen, daß im Vorfeld und in dieser Nacht ganz ganz viele Menschen außerordentliches geleistet haben und es letztendlich an allen 9.000 Beteiligten lag, daß die Aktion geglückt ist. Jochens Privileg war es, mit seiner Arbeit öffentlich für alle ständig wahmehmbar zu sein, während alle anderen Beteiligten mehr oder weniger "im Verborgenen" oder nur im begrenzten Umfeld greifbar waren.

Das Gelingen einer so basisdemokratisch strukturierten Großaktion an die Leistung einer Person zu knüpfen, wird dem Ereignis aber in keinster Weise gerecht. Erfolgreich Handeln können wir nur,

wenn wir nicht auf "Heldentaten" Einzelner vertrauen und informelle Hierarchien aufbauen, sondern alle selbst unsere ganze Kraft für das gemeinsame Ziel einsetzen. So ist es bei "Xtausendmal quer" auch gewesen und nur deshalb hat die Aktion auch so phantastisch "funktioniert.

Herzliche Grüße aus dem schönen Wendland

Frauke Banse, Verden; Hagen Berndt, Wustrow; Miriam Breckoff, Verden; Rainer Brumshagen, Karmitz; Marie Dinkgrefe, Blütlingen; Bernd Dörgeloh, Bussau; Miriam Ebert, Wustrow; Birgit Fuhrmann, Blütlingen; Gesine Fischer, Banzau; Wolfgang Hertle, Hamburg; Werner Hesse, Volzendoff; Ansgar Jeremias, Braunschweig; Valeska Klatt, Wustrow; Felix Kolb, Verden; Silke Kreasel, Oldenburg; Harald Müller, Wustrow; Jörg Rohwedder, Hamburg; Klaus Schmitz, Gledeberg; Cordula Seeberger, Oldenburg; Jochen Stay, Jeetzel; Katja Tempel, Jeetzel; Herbert Waltke, Jameln; AK Halt Mittwoch, Hamburg und viele weitere, die in der"heißen Phase" dazukamen.

Danke und tschüs!

Wir möchten nur diejenigen Leute weiter mit unseren Rundbriefen beliefern, die ein Interesse daran haben. Deshalb bitten wir alle, die nicht weiter von uns informiert werden wollen, an folgenden Adresse zu schreiben "Xtausendmal quer", Dorfstr. 30, 29462 Blütlingen .

Aktionskonto:

Marie Dinkgrefe, Nr. 121017 6100,

Volksbank Wendland, BLZ 258 634 89


Bearbeitet am 06.04.1997