Erneuter "Vertrauensgau"

 

Stellungnahme zur gemeinsamen Presseerklärung des BMU (Merkel) und der Deutschen Polizeigewerkschaft - DPolG- vom 24. 7. 1998

 

Die Vertreter der Deutschen Polizeigewerkschaft merkten bei dem Gespräch - bei der sicherlich sehr schwierigen Materie - überhaupt nicht, daß sie einem sehr viel schlimmeren "Vertrauens-Gau" durch die Bundesregierung und der sogenannten "Strahlenschutzkomission" (SS-K) aufsitzen, als bei dem vorher begangenen Vertrauensbruch im Kontaminationsskandal durch die Atomindustrie. Man kann es noch nachvollziehen, daß die Atommafia aus Gewinnmaximierungsgründen alles versucht hat, die bis zu 10.000fachen Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte zu verschweigen und durch raffinierte Tricks zu vertuschen. Dabei mögen der Atomindustrie ein paar zufällig durch Kontaminationen mit offener Radioaktivität in ihrer Gesundheit langfristig geschädigte oder auch getötete Transportarbeiter oder Polizisten völlig egal gewesen sein.

 

Viel schlimmer ist es aber, daß auch Fanatiker in der Bundesregierung, wie Physikerin Merkel, und aus der Strahlenschutzkomission, wie Prof. Dr. Dietze vom BfS, sie in einer nicht mehr faßbaren Art belügen. So behaupten diese beiden, "daß Gesundheitsgefahren für Polizistinnen und Polizisten, die die Castor-Transporte begleitet haben, auszuschließen sind". Derartiges widerspricht eklatant allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach jede mögliche - auch geringe - Erhöhung der Strahlenbelastung stochastisch - also zufallsbedingt - Krebs und auch genomische Schäden auslöst. Daß radioaktive Partikel sich während des Transportvorgangs von am Behälter festhaftenden Partikeln in "nicht festhaftende" umwandeln "und umgewandelt haben", ist Stand der Sacherkenntnisse des 2. Zwischenberichts der GRS (Gesellschaft für Reaktor"sicherheit") v. 16. Juni 1998 und des 3. Zwischenberichts von Mitte Juli 1998. Der GRS-Bericht v. 16. Juni 1998 sagt hierzu weiter unter Abs. 4.3.3 (Freisetzungsmechanismen auf den Waggons) S. 68, 2. u. 3. Spiegelstrich, daß die zum Schutz der Behälter verwendeten Abdeckhauben* wegen der erforderlichen Wärmeabfuhr konstruktiv bedingt gegen Regen in Verbindung mit Fahrtwind sehr durchlässig sind! Dies heißt nichts anderes, als daß offene radioaktive Partikel, die nicht mehr fest haften, verweht werden und von Polizisten oder Bahnpersonal eingeatmet würden.

Wie hoch die Strahlenbelastung eines einzelnen Polizisten war, sei es aus eingeatmeter Aktivität oder aus Hautablagerungen bzw. aus Gamma- und Neutronendirektstrahlung, ist als rein zufällig. Sie hängt davon ab, wo er stand oder ging und wie nahe er länger am Transport war.

 

Die Betreiber der Castor-Transporte haben sich selbst eine "Prüfvorschrift 511" gegeben, bei deren Befolgung nicht einmal mehr nachweisbar ist, in welchem Ausmaß sich auf dem Transportweg Nachkontaminationen ergeben haben und wie hoch die daraus resultierenden Folgen auf begleitenden Polizeibeamte waren. Niemand hat also Belege über die tatsächlichen Kontaminationen der Castor-Transporte. Bei Transporten in den USA waren die CASTOR-Behälter V/21 und II b bereits vor 1989 mit 141 Bq/cm² kontaminiert.

 

Daß die sogenannte Strahlenschutzkomission seit mindestens 30 Jahren nichts anderes im Sinn hat, als die unumgänglichen "Strahlenfreisetzungen" der Atomtechnologie hinsichtlich ihrer Gesundheitsfolgen für Menschen derartig zu verharmlosen, daß diese darüber getäuscht werden, ist seit langem bekannt. Läßt sich mittlerweile nicht alles vertuschen, schlägt sie zehn Jahre später eine im Sinne der Atommafia vorsichtige Korrektur der Grenzwerte vor. Die Frage ist derzeit nur, wie lange läßt sich die Polizei von derartigen Angaben noch " verladen". Die gemeinsame Erklärung vom 24. 7. 1998 der DpolG, die die freche, völlig den Sachverhalt verdrehende, täuschende Erklärung von Prof. Dr. Dietze, "SS-K", einfach übernimmt, läßt darauf schließen, daß dies noch lange der Fall ist.

 

 

26. 7. 1998

 

Fachgruppe Radioaktivität der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg

Heinrich Messerschmidt

 

(Tel. und Fax: 05841 / 4358)

 

 

 

* Auszüge aus Presseerklärungen des BmU:


"Wie auch bei den Transporten nach Frankreich waren die Kontaminationen der im Kraftwerk

ankommenden Behälter und Waggons nicht zugänglich und somit eine direkte Bestrahlung und auch Berührung während des Transportes ausgeschlossen." (Presseerklärung BmU v. 17. 6. 98)

 

 

 

... "5. Die 1997 in ca. 20 % der Transporte aus Deutschland aufgetretenen

Kontaminationen finden sich am Boden der Transportwaggons sowie vereinzelt an den

Behältern. Beide befinden sich unter einer verschlossenen Abdeckhaube, so daß es

ausgeschlossen werden kann, daß Personen vor der Entladung mit diesen

Kontaminationen in Berührung kommen. Die von den Kontaminationen ausgehende

Strahlung ist, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Direktstrahlung der

abgebrannten Brennelemente, zu vernachlässigen. BMU schließt sich daher der

Bewertung des DSIN an, wonach hierdurch weder für Beschäftigte noch für die

Bevölkerung eine Gefahr bestand. " ( Presseerklärung BmU v. 22. 5. 98)