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In einem gemeinsamen Brief an die künftigen Koalitionsparteien von Union und SPD
fordern die vier großen deutschen Stromkonzerne und Gewerkschaften die Verlängerung von
Laufzeiten der Atomkraftwerke. Die Unterzeichner Eon , RWE , EnBW und Vattenfall sowie die
Gewerkschaften IG Bergbau-Chemie-Energie (IGBCE) und Verdi verlangen außerdem, der
Salzstock Gorleben solle als Endlager für hochradioaktiven Müll und der Schacht Konrad
als Endlager für schwach radioaktiven Abfall genutzt werden. Der einzige Maßstab für
den Weiterbetrieb von Kraftwerken solle deren Sicherheit sein.
Der BUND lehnt ein Abrücken vom Atomausstieg jedoch ab. Eine Verlängerung der
Laufzeiten stünde dem Ausbau der Erneuerbaren Energien im Wege. Den Stromkonzernen gehe
es um "reine Gewinnmaximierung", sagte BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm. Die
Gewerkschaften forderte er auf, sich nicht zum Handlanger der Versorger machen zu lassen.
"Es kann nicht sein, dass die Gewerkschaften ein Zurück in die atomare Steinzeit
unterstützen."
BUND kritisiert Gewerkschaftsposition
Die Versorger drängen indes, die künftige Bundesregierung müsse auf einen breiten
Energiemix setzen. Kernenergie, Braun- und Steinkohle könnten dazu beitragen, die Kosten
für die Stromerzeugung stabil zu halten und die Versorgung zu sichern, hieß es.
Mittelfristig könnten sich außerdem die Atomenergie preisdämpfend auswirken. Angesichts
gestiegener Energiepreise und der zunehmenden Versorgungsrisiken müsse sich die Politik
alle Optionen zur Energiegewinnung offen halten.
Die Versorger seien bereit, in den kommenden Jahren 20 Milliarden Euro in ihre Netze
und Erzeugungskapazitäten zu investieren. Würde jedoch in die Preisbildung eingegriffen,
würden die geplanten Investitionen behindert, hieß es. Damit spielten die Verfasser auf
den zunehmenden Druck von Verbrauchern und den Landeskartellämtern, vom Bundeskartellamt
und Bundesnetzagentur an, die Druck auf Gas- und Stromversorger ausüben, ihre
Tarifpolitik zu überdenken.
(N24.de, Netzeitung)
http://www.n24.de/wirtschaft/unternehmen/index.php/n2005102521262800002
Pressemitteilungen

Berlin, 26. Oktober 2005
Der Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Frank Bsirske,
stellt fest, dass ver.di eine klare Position zum Ausstieg aus der Atomenergie hat, und
erteilt allen anders lautenden Gerüchten eine klare Absage: "ver.di hat sich immer
für einen geregelten Atomausstieg ausgesprochen. Daran ändert sich nichts."
Entsprechende Beschlüsse habe die ver.di-Gründungsorganisation ÖTV bereits 1988 und
1996 gefasst. An diesen Beschlüssen halte ver.di auch fest. Es sei richtig und wichtig,
dass die Nutzung der Kernenergie, wie im Atomgesetz bestimmt, praktisch beendet werde.
"Es gibt einen Atomkonsens und wir legen Wert darauf, dass der so eingehalten
wird", unterstrich Bsirske.
Für die abgebrannten Brennelemente bedürfe es eines Endlagers in Deutschland. Eine
Entscheidung darüber müsse in der kommenden Legislaturperiode gefällt werden. Bsirske
machte deutlich, dass er an der Eignung des Salzstocks Gorleben als Endlager ausdrücklich
Zweifel habe. Deswegen dürfe die Suche nach einem geeigneten Standort von der neuen
Bundesregierung nicht ausgesessen werden. Ansonsten drohe, dass Gorleben mangels
Alternativen Endlager werde.
Angesichts steigender Energiepreise und sinkender Reserven sei es darüber hinaus
unabdingbar, ein schlüssiges nationales Energiekonzept zu entwickeln. Dies müsse
dynamisch angelegt sein, den Einsatz der vorhandenen Energieträger soweit diese
verantwortbar zu nutzen sind optimieren und gleichzeitig Wege aufzeigen,
zukunftsträchtige Innovationen schnell und effizient zu integrieren: "Deutschland
ist weltweit führend bei der Markteinführung erneuerbarer Energien im Stromsektor",
sagte Bsirske.
"Bis fossile und nukleare Energieträger vollständig ersetzt werden können,
brauchen wir aber einen Energiemix, der die Versorgung sichert." Kohle erscheine
dabei als eine "geeignete Brücke ins solare Zeitalter". Wegen der hohen
spezifischen CO2-Emissionen und der damit einhergehenden Klimabeeinflussung durch die
Kohleverbrennung seien innovative Techniken wie beispielsweise die effiziente
Kraft-Wärme-Kopplung unverzichtbar, solle diese "Brücke" für ausreichende
Zeit begangen werden. "Hier ist die Industrie Kraftwerkshersteller wie
Energieversorger - gefordert", so Bsirske.
Um den CO2-Ausstoß weiter wie erforderlich zu reduzieren, könne es für eine
begrenzte Zeit erforderlich sein, im Rahmen des Atomkonsenses verstärkt Atomenergie zur
Stromerzeugung einzusetzen. Dabei könne es zur Übertragung von Produktionsrechten
zwischen den Kernkraftwerken kommen, wobei die Einhaltung von optimalen
Sicherheitsstandards gewährleistet sein müsse.
Das Kyoto-Protokoll müsse auch künftig verbindliche Klimaschutz-Standards setzen.
Diese müssten weltweit anerkannt und eingehalten werden. Daher gelte es, alles daran zu
setzen, auch große Emittenten wie die USA, Australien, China und Indien zur
Unterzeichnung der entsprechenden Protokolle zu bewegen.
Herausgeber:
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Harald Reutter
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