Anzeige in der

vom 3.12.1997

Offener Brief

Sehr geehrter Herr Wohler,

mit Erstaunen habe ich Ihre Kommentare gelesen zur Weigerung der bunten Koalition und der Bürgerinitiative, am Gorleben-Forum teilzunehmen. Sie erklären in der EJZ vom 24. 11., das Forum solle gegen die Polarisierung der Region arbeiten. Dort solle kontrovers, aber sachbezogen diskutiert werden. Die Meinung des anderen solle geachtet werden. Vom Versöhnen ist sogar die Rede. Ein großherziges Angebot, wie ich finde. Es paßt so recht in die Weihnachtszeit. Wer wollte in dieser Zeit gegeh Versöhnung und gegenseitige Achtung reden?

Aber finden Sie nicht, daß zur Achtung und zum Versöhnen ein Mindestmaß an Rücksichtnahme auf existentiente Ängste, ein Respekt vor der erfahrenen Bedrohung bei den Castor-Transporten gehört? Glauben Sie wirklich, Sie könnten mal eben für Geld Ihre Zustimmung zum Zwischenlager, zu den Transporten und zur PKA kassieren - und im selben Moment versöhnliche Gespräche mit den Menschen in Lüchow-Dannenberg führen?

Sie trampeln auf den Gefühlen und Überzeugungen der Menschen herum - und erwarten, daß das nicht zur Polarisierung beiträgt? Das ist entweder gedankenlos oder heuchlerisch. Sie rufen nach Frieden und gießen Öl ins Feuer. Ohne zu zögem machen Sie weiter aus Lüchow-Dannenberg den größten Atommüllagerplatz Europas. Aber wer nach Frieden ruft, muß die Ursachen für den Unfrieden abstellen. Statt dessen haben Sie schon wieder den nächsten Judaslohn ausgehandelt.

Nicht erst nach Weihnachten, sondern offenbar schon vorher sind alle guten Wünsche ohne Bedeutung. In der Hoffnung auf ehrliche Entgegnungen statt falscher Floskeln

Rebecca Harms

zurück zur Homepage