| Sehr geehrte Leserinnen und Leser, als Gesamtverantwortlicher der Landespolizei für die Durchführung der
polizeilichen Maßnahmen anlässlich des Castor-Transportes möchte ich mich Ihnen
vorstellen.
Mein Name ist Friedrich Niehörster. Ich bin 53 Jahre alt,
verheiratet und habe eine 11 jährige Tochter. Bis vor einem halben Jahr leitete ich die
Polizeiinspektion Göttingen. Auch dort hatte ich Großeinsätze zu führen, bin mir aber
darüber im Klaren, dass diese mit der Größenordnung und der Besonderheit der Proteste
im Wendland nicht vergleichbar sind. Ich habe es als sehr angenehm empfunden, in Lüneburg
in ein Team aufgenommen zu werden, das Führungserfahrung einbringt und mir den Einstand
erleichtert.
Ich
kann mir denken, dass Sie als Leidtragende ein besonderes Interesse daran haben zu
erfahren, ob und was sich verändert. Unbestritten bleiben sicherlich die
rechtsstaatlichen Aufträge, zum einen den sicheren Transport der Castor-Behälter in das
Zwischenlager zu gewährleisten, zum anderen aber auch friedliche Versammlungen zu
schützen. Im Wesentlichen kommt es mir darauf an, dass wir auch diesen Transport erneut
möglichst gewaltfrei bewältigen. Hierzu wird die Polizei, aufbauend auf den vergangenen
Jahren, ihren Beitrag leisten. Ich hoffe, dass sich auch diejenigen, die sich mit Aktionen
gegen diesen Transport wenden, dieser Absicht anschließen, denn schließlich tragen wir
zusammen die Verantwortung dafür, dass bei diesem Einsatz keine Menschen zu Schaden
kommen.
Ich wende mich an Sie mit der Bitte, die Polizei in ihrem Bemühen
zu unterstützen, ihren gesetzmäßigen Auftrag wahrzunehmen, wohlwissend, dass ich mit
meinem Appell nicht alle erreiche. Mit denjenigen, die lautstark bei staatlichem Handeln
auf demokratische Regeln pochen, sich selbst aber ein höheres Recht zugestehen und sich
deshalb nicht an geltende Regeln halten, ist schwerlich in ein Gespräch zu kommen. Aber
vielleicht wächst ja hier die Erkenntnis, dass unterschiedliche Positionen auch
auszutauschen sind, ohne den vermeintlichen Gegner der geneigten Öffentlichkeit als das
"personifizierte Böse" darstellen zu müssen. Solche Auseinandersetzungen sind
nach hinten gerichtet. Gespräche mit allen Beteiligten sind wie bei jedem
Castor-Transport wichtig für uns, sie wurden bereits geführt und werden auch weiterhin
von uns angestrebt.
Ich weiß, dass ein jährlich mindestens einmaliger
"belagerungsähnlicher Zustand" schwer zu ertragen ist und habe die Absicht, das
auf das unumgängliche Maß zu reduzieren. Bitte haben Sie Verständnis, wenn dennoch die
eine oder andere Erschwernis eintreten sollte. Ich habe die Info - Börsen in Lüchow und
Dannenberg und die Konfliktmanager beauftragt, als Anlauf- bzw. Kontaktstelle zu
fungieren, um möglichst schnell und unbürokratisch auftretende Probleme zu beheben.
Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift (F. Niehörster) |