Gorleben 01.09.20007

Redebeitrag der autonomen und antipatriarchalen Gruppen Berlin gegen das Bombodrom, Krieg, Militarisierung und das geplante Atommülllager Gorleben

 

Die Zähigkeit mit der in Gorleben gekämpft wird hat unter anderem dazu beigetragen das Atomkraftwerke bis heute heirzulande politisch diskreditiert sind. Die Qualität in Gorleben liegt für mich darin das sich verschiedene Sichtweisen und Widerstandsformen ergänzt und aufeinander bezogen haben. Regionaler und Überregionaler Widerstand und militante und gewaltfreie Aktionen wirkten zusammen. Ähnlich wie damals in Wackersdorf oder auf der Startbahn-West.

Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der geplante Bombenabwurfplatz in Brandenburg mit dem Namen „Bombodrom“ von Bedeutung.

-Trotz 15 jährigen örtlichen Protestes und Klagen von betroffenen Gemeinden, --trotz der juristischen Niederlagen der Bundeswehr vor Gericht, hält Kriegsverteidigungsminister Jung an dem Platz fest. Und das nicht von ungefähr:

Deutschland will eine Zentrale Rolle in kriegerischen Verhältnissen spielen!
Ressourcensicherung nennt sich das.
Deutschland will seine Interessen in einer eigenständigen militärischen Formierung Europas dominant Sichern!
Das heißt: Den Ausbau der Festung Europa gegen Flüchtlinge, die nicht nur wegen Krieg und Hunger fliehen – sondern auch wegen Umstände, die mit der Klimakatastrophe zusammen hängen. Nicht umsonst ist Klimawandel auf der sicherheitspolitischen Agenda gelandet.
Das heißt: Bundeswehr in den Arbeitsagenturen um arbeitslose Menschen abzuschöpfen. Erst verarmt man Teile der Gesellschaft um sie dann zu Soldaten zu machen.
Das heißt: Tornados und Spähpanzer gegen den emanzipativen Widerstand und Protest wie beim G8
und das heißt: den Ausbau eines Überwachungsstaates. Schäuble ein Sicherheitsrisiko, der nur die Spitze des Eisberges darstellt. Jede Person soll künftig unter Generalverdacht stehen können.

Militarisierung nach außen bedingt eine Militarisierung nach innen.
Der Krieg gegen den Terror ist längst ein permanenter Krieg. Und dieser Krieg franst immer mehr aus und zieht immer mehr Länder und Menschen in Mitleidenschaft. hinein – Nicht zuletzt dank eines grünen Außenministers. Deutschland ist längst Teil dieser Dynamik… Diese Dynamik ist kalkuliert und beabsichtigt!
Das Bombodrom - Europas größter Bombenabwurfplatz - ist nur eines der Mosaiksteinchen dieser Militarisierung.
Für uns ist klar – wer das morden übt – der gehört mit den für uns zur Verfügung stehenden Mittel gestoppt, die wir moralisch vertretbar und richtig finden. Die Spannbreite unserer Aktionspalette ist weit größer als auf Landesminister, Gerichte und Einsicht zu setzten. Denn juristisch alleine ist eine Inbetriebnahme des Bombodroms nicht zu stoppen.

Zur Geschichte und dem aktuellen Stand des Bombodroms findet ihr Infos am Infotisch bei der pinken Pyramide…

Warum eine Pyramide? Weil das Zielgebiet mit einer Pyramide aus Holz versehen ist – welche die Bundeswehr mittlerweile vor uns immer wieder versteckt…aus Sorge wir könnten sie pink malen…Warum Pink? Weil es eine antimännliche Farbe zu sein scheint. Als vor ein paar Jahren ein ehemaliger Kommandoturm pink angemalt wurde brachten die Bundeswehrsoldaten entsetzt zum Ausdruck, das diese Farbe für sie eine Ehrverletzung war. Jede andere Farbe wäre okay gewesen. Die Farbe Rosa – die traditionell Mädchen, Frauen und Schwulen zugeordnet wird, hat eine solche schockierende Wirkung auf Militärs , weil Militär mit einem bestimmten Männlichkeitsbild verbunden ist.
Die Bundeswehr versuchte die Farbe zu entfernen und als das nicht klappte riss den Turm eines Tages ein.
Aber wir möchten weit mehr als Kriegsgerät nur pink zu malen:
Wir möchten die eigenen Entschlossenheit dokumentieren – das wir das Üben von Mord verhindern werden. Wir wollen die Kriegsvorhaben der Bundeswehr nachhaltig und wirkungsvoll in der Öffentlichkeit diskreditieren. Die Bundeswehr fürchtet alleine schon die Nennung des Namens „Bombodrom“ in der Öffentlichkeit weil damit Imageschaden des Militärs verbunden wird. So wie mit Gorleben immer Widerstand gegen Atom verbunden wird.
Die Bundeswehr ist eine patriarchale, eine gewalttätige Institution - der wir keinen Platz geben werden in einer Utopie, die wir als frei von Herrschaft und Unterdrückung begreifen. Unsere Absicht ist es die Bundeswehr real zu schwächen indem wir den Bombenabwurfplatz als ein Mosaiksteinchen der Militarisierung und Mobilmachung blockieren und verhindern…

Der Weg dahin ist nicht nur einfach:
Als wir im Rahmen der AntiG8-Proteste die Besiedelung des Bombodroms ankündigten, stellten sich einige örtliche Führer der BI öffentlich und unsolidarisch dagegen und vielen auch anderen BI-MitgliederInnen in den Rücken.
Über Ihre Gründe können wir nur spekulieren: Hatten sie Angst vor einer Radikalisierung? Oder das sie die Kontrolle über den Widerstand verlieren? Das sie ihre Führungsrolle verlieren?
Doch die Besetzung gab uns recht. Sie war ein riesiger Erfolg. Trotz Ankündigung unsererseits, waren weder Polizei noch Militär in der Lage und Willens uns an der Besetzung zu hindern. Mit 700 Menschen besetzten wir den Platz, strichen ein ehemaligen Kommandoturm der Sowjets rosa und nächtigten mit 200 Menschen vor Ort. FriedensaktivistInnen der alten Friedensbewegung trafen sich mit Jugendlichen aus der Region, oder G8 GegnerInnen und AntimilitarististInnen, Mitglieder der örtlichen BI waren ebenso vertreten wie Autonome und PazifistInnen, FrauenLesbenTransgenderStrukturen oder Queers mischten sich mit AnwohnerInnen von vor Ort.

Das Bündnis – in der Form neu – entschied sich auf die Frage und Schublade von Gewalt oder Militanz, gar nicht einzulassen. Als eine Aktion des zivilen Ungehorsams dokumentierten wir: Wir gehen auf den Platz, wir besetzten wann und wo wir wollen – wie immer die Gerichte oder die Bundesregierung bzw. das KriegsVerteidigungsministerium entscheiden wird.

Der Abwurfplatz ist ein Kristallationspunkt an dem wir den Kriegsbestrebungen Deutschlands in die olivfarbene Brühe spucken können. So wie bei der Sicherheitstagung in München oder den Aktionen gegen die Arbeitsagenturen, die Soldaten werben. Aber wir brauchen auch Unterstützung, die uns mit Ihren Erfahrungen hilft, wie wir eine Vermischung und Vermengung zwischen regionalen und überregionalen Protest und Widerstand hinbekommen.
Vielleicht könnte eine sichtbare Beteiligung auf dem nächsten Ostermarsch informieren wie die Erfahrungen im Wendland waren. Vielleicht habt Ihr Lust mit ein oder zwei Treckern zu kommen?

Die Einpunktbewegungen –gegen Atom oder gegen Krieg – sind immer auch Verkürzungen die uns inhaltlich und praktisch trennen, dort wo es gar nicht stimmt. Das Loftverfahren, das heißt das Üben von Atombombenwürfen auf dem Bombodrom – so das Übungskonzept der Bundeswehr – zeigt die deutliche Kette zwischen Strommafia und Atompolitik, sowie militärischer Nutzung und Krieg

Darum :

Atomanlagen komplett dichtmachen

Gegen jeden Krieg

Bearbeitet am: 04.09.2007/ad


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