Gorleben 01.09.20007
vom Asse-II-Koordinationskreis
| Redebeitrag von Dipl.-Ing. Udo Dettmann anlässlich der
Großdemonstration in Gorleben, 1. September 2007.
Asse In der Asse haben wir seit 1988 einen Laugenzulauf von ca. 12.000 Litern täglich. Der Betreiber forciert die Schließung mittels Flutung des Bergwerkes. Dieses geplante Konzept sieht eine Kontamination der Biosphäre vor, der Betreiber versichert für die nächsten 100.000 Jahre, dass sich diese innerhalb der heutigen Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung halten. Vor 30 Jahren versicherte der Betreiber auch, Asse II sein standsicher und trocken. Das Flutungs-Konzept beruft sich auf eine Studie vom Leipziger Institut für Gebirgsmechanik, nach der die Standsicherheit von Asse II nur noch bis 2014 gewährleistet sei. Diese Studie wird aber unter Verschluss gehalten. Weder die genaue Fragestellung ist bekannt, noch deren exakte Aussagen. In der fachlichen Auseinandersetzung um Asse II sollte selbstverständlich werden, dass Behauptungen kein Ersatz für Fakten und Wissen sind. Die Auseinandersetzung erfordert, dass alle Akteure den gleichen Zugang zu den grundlegenden Fakten und Unterlagen haben. Auch auf Grund dieses hausgemachten Zeitdruckes 1978 endete die Einlagerung von Atommüll seit 1988 Laugenzufluss nasses Schließungskonzept wird erst seit 2002 erarbeitet soll die Schachtanlage nach Bergrecht statt nach Atomrecht geschlossen werden. Morsleben Die Stabilität des Grubengebäudes in Morsleben wird durch Maßnahmen erhöht, die aufgrund von Gefahrenabwehr ohne atomrechtliches Verfahren durchgeführt werden. Der Großteil der radioaktiven Abfallgebinde wurde nach der Wiedervereinigung eingelagert also unter der Aufsicht des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Bundesumweltministeriums. Und zu einem Zeitpunkt, wo das Salzbergwerk schon 70 Jahre alt war und am Ende seines Lebenszykluses stand. Denn im Gegensatz zu Erz- oder Granit-Bergwerken können Salz-Gewinnungs-Bergwerke nur schwer über 75 oder 100 Jahre offen gehalten werden. Asse-II-Koordinationskreis Schlussfolgerung Die Schachtanlagen Asse II und Morsleben zeigen, das das Konzept der wartungsfreien Endlagerung in tiefen Geologischen Schichten neu zu bewerten ist. In beiden Anlagen kann weder von einem trockenen, noch von einem standsicheren Grubengebäude mehr ausgegangen werden. Solange diese Probleme mit den havarierten Atommülllägern nicht gelöst sind, sollten wir es tunlichst unterlassen, die Planungen für Konrad und Gorleben weiter zu betreiben. Stattdessen wird Konrad für viel Geld ausgebaut, um damit gleich das nächste Problem zu erschaffen. Auch hier ist nicht davon auszugehen, den Atommüll trocken lagern zu können. Das Erzflöz, in dem eingelagert wird, läuft in Richtung Norden und tritt bei Peine an die Oberfläche. Somit ist die Wegsamkeit erkennbar. Die Wasserwegsamkeiten auch hier in Gorleben in Richtung Salzlagerstätte sind hinreichend bekannt es ist dasselbe Problem. Es ist dringend notwendig, dieses Konzept der wartungsfreien, nicht rückholbaren Endlagerung neu zu überdenken. Will man trotzdem dabei bleiben, müssen Maßstäbe entwickelt werden, welche Randbedingungen so ein Atommülllager einhalten muß. Oder soll Asse II zeigen, dass die trockene Endlagerung überhaupt keine Vorraussetzung für ein Endlager mehr ist? Dann fordere ich die Betreiber der Schachtanlagen auf, die Karten auf den Tisch zu legen. Wenn die sich so weit vom Stand der Wissenschaft und Technik entfernen dann werden wir ihnen zeigen, was unsere Meinung dazu ist. Deutschland isoliert sich mit seinem Endlagerkonzept. Die Projekte der oderflächennahen Lagerung nehmen weltweit stark zu. Und solange dieses alles ungeklärt ist, brauchen wir keinen Atommüll durch die Republik fahren lassen. Castoren können auch am Verpackungsort abklingen. Da die Hälfte alle Reaktoren in Deutschland zurzeit steht bedeutet es für mich nur eins: wir brauchen sie nicht. Versuchen wir mal, ob wir diese als Vorbild für die noch laufenden Reaktoren nutzen können. Ohne ein klares Konzept der Endlagerung und mit den katastrophalen Erfahrungen aus Asse II und Morsleben müssen Konsequenzen für den weiteren Umgang mit der Atomenergie haben. Wer diese Erfahrungen ernst nimmt, kommt um die Erkenntnis nicht herum, dass eine weitere Produktion von Atommüll grundsätzlich nicht zu verantworten ist. |
Bearbeitet am: 01.09.2007/ad